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In Schiedlberg verhüllt ein Fastentuch aus dem Barock das Altarbild
Ausgabe: 2000/14, Schiedlberg, Fastentücher
04.04.2000
- Kirchenzeitung der Diözese Linz, Martina Gelsinger (Kunsthistorikerin)
Die Tradition der Fastentücher ist beinahe vergessen. In der Pfarre Schiedlberg wurde sie wieder belebt.

Mit dem Verlesen der Bibelstelle vom Zerreißen des Tempelvorhanges (Lk 23,45) wurden am Mittwoch der Karwoche die Fastentücher aus dem Altarraum der Kirchen entfernt.Die Tücher verhüllten in der Fastenzeit den Altarraum oder die Altarbilder. Die Darstellung von Passionsszenen sollten die Gläubigen an das Leiden Christi erinnern. Verschiedene Namen sind bekannt, so der lateinische Name „velum quadragesimale“ wegen seiner Verwendung während der Quadragesima, der 40-tägigen Fastenzeit, oder „velum templi“ in Anlehnung an den symbolischen Vergleich mit dem Tempelvorhang von Jerusalem. Gebräuchlich sind auch die Bezeichnungen Hungertuch, Passions- bzw. Fastenvelum oder Schmachtlappen aus dem Niederdeutschen.

Wenige sind erhalten

Nur wenige dieser Zeugnisse volkstümlicher, mittelalterlicher Frömmigkeit sind erhalten geblieben – nicht nur wegen der geringen Dauerhaftigkeit von Textilien, sondern auch wegen der unterschiedlichen Bedeutung von kirchlichen Traditionen in verschiedenen Zeiten.Wenn nicht zerstört, warten einige Fastentücher auf Dachböden von Pfarrhöfen auf ihre Restaurierung und Wiederverwendung, so wie das Fastentuch im Besitz der Pfarre Schiedlberg. Es wurde zum Fest des Pfarrpatroziniums (Maria Verkündigung, 25. 3.) wieder dem liturgischen Gebrauch zugeführt.

Das Tuch aus dem ehemaligen Cölesterinnenkloster in Steyr ist ein Werk des Barockmalers J. G. Morzer aus dem Jahr 1742 und stellt die Kreuzigung Jesu mit Maria, der Mutter Jesu, Maria von Magdala und Johannes, dem Apostel und Evangelisten, dar. Das Fastentuch soll daran mahnen, dass wir nach mittelalterlichen Vorstellungen als Sünder/innen unwürdig sind, während der Fastenzeit Gott zu schauen und als Büßer/innen an der Eucharistiefeier teilzunehmen. Deshalb entstanden um 1000 n. Chr. im Gebiet nördlich der Alpen Fastentücher, die als wahre Bilderbibeln Szenen aus dem Alten und Neuen Testament zeigten. Sie haben den gesamten Chorraum verhüllt.

Ältestes Fastentuch in Gurk

Einst weit verbreitet, hatte diese liturgische Tradition großteils nur in Kärnten, Tirol und im westfälisch-niedersächsischen Raum Bestand. Im Dom zu Gurk befindet sich das älteste erhaltene Fastentuch (von 1458, 9 mal 9 Meter).Die bedeutendste Gruppe bilden die in sogenannter Tüchleinmalerei gefertigten Fastentücher aus mehreren miteinander vernähten Leinwandbahnen. Damit die Bemalung beim Auf- und Abrollen nicht brach oder abplatzte, wurden – ohne Grundierung – Tempera- oder Leimfarben, seltener Wasserfarben verwendet.

Im 16. Jh. wurden die Fastentücher kleiner und verhüllten nur mehr die Altarbilder. In Oberösterreich gibt es keine Fastentücher mehr aus dem Mittelalter. Das älteste aus dem Jahr 1674 stammt aus der ehemaligen Stiftskirche Mondsee. Das wohl bedeutendste verdeckt heute noch in der ehemaligen Stiftskirche Garsten das größte Altarbild unseres Bundeslandes, ein Werk von Carl von Reslfeld, 1697.

70 Jahre verscholle

Mit dem Schiedlberger Fastentuch ist eine fast vergessene kirchliche Tradition wieder zum Leben erweckt worden. Erstmals seit etwa 70 Jahren verdeckt das Bild der Kreuzigung Christi bis Karsamstag das Hochaltarbild mit der Darstellung der Verkündigung von F. X. Gürtler, 1777. Da es ursprünglich für ein anderes Altarbild gedacht war, stimmen die Maße (5,8 x 3,3 m) nicht exakt mit dem zu verhüllenden Altarbild überein, sodass im oberen Bereich des Altarbildes die Anwesenheit Gottvaters auch während der Fastenzeit nicht verborgen bleibt.
Wer bis Karsamstag die Gelegenheit, eines der seltenenFastentücher zu betrachten, nicht nutzt, muss ganze elf Monate warten – dann wird es uns in Schiedlberg wieder wie vor Generationen die 40 Tage der Umkehr und Buße ansagen.
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