Frauen nutzen alle Ressourcen für bedürftige Menschen
Ausgabe: 2000/15, Missionsrunde, Vöcklabruck
11.04.2000
- Judith Moser
Seit 42 Jahren sind in Vöcklabruck eine Schar Frauen für bedürftige Menschen in allen möglichen Ländern der Erde da. Sie haben dafür den Solidaritätspreis der Kirchenzeitung 1999 bekommen.
Jeden Dienstag von 13 bis 16 Uhr werken die 15 bis 20 Mitglieder der Missionsrunde Vöcklabruck im Pfarrzentrum. Einige der fleißigen Frauen sind sogar täglich dort anzutreffen. Nach einem Besuch bei der Missionsrunde kann man sich vorstellen, wie es in einem Bienenstock zugehen muss, so unbeirrbar erledigen die Frauen ihre Arbeit.
Nützliches und Kitschiges
Am Dienstag bringen Menschen Dinge, die sie selbst nicht mehr wollen und andere noch brauchen können. Da gibt es neben Kleidung und Gebrauchsartikeln auch Krimskrams wie Stofftiere, Bücher, Dinge, die einfach nett anzuschauen sind, ... die Liste ließe sich endlos fortsetzen. Außer Elektrogeräten (wegen der Entsorgungs-Kosten) nehmen die Frauen unter der Leitung von Irmgard Pöltner nahezu alles entgegen, um es zu sortieren. Kategorien sind: Mission, Flohmarkt, Bedürftige in der Umgebung und Putzfetzen. Für jede der etwa 30 Missionsstationen, die „versorgt“ werden, wird ein Fach in einem Regal mit Dingen gefüllt, die von Schwestern oder Patres als dringend nötig genannt werden. Der Paket-Inhalt wird aufgeschrieben, damit Reklamationen möglich wären, sobald nach der „Reise“ etwas fehlen würde.
Jährlich werden 500 bis 600 Pakete zu je etwa 15 Kilo versandt. Für kleinere Projekte hat die Missionsrunde Geld zur Verfügung. Auch der „Solidaritätspreis“ wurde gut „angelegt“: in Fischteiche im Hochland von Ecuador (ein Projekt für die dortigen Bauern ) und in ein kleines Kloster im Norden Albaniens, das bei der ohnehin herrschenden Armut Flüchtlinge versorgt.
Das Geld für das Porto stammt hauptsächlich vom Flohmarkt, den die Missionsrunde seit einigen Jahren im Herbst veranstaltet. An die 80 Personen helfen dabei. Für jede Sortier-Kategorie gibt es eine Expertin. Bei der Kleidung wird ein aktueller Katalog zu Rate gezogen, auch „Kitsch und Kunst“ oder Geschirr haben jeweils ihre eigene Expertin. Schließlich wollen die Frauen sich nicht mit Dumping-Preisen um den Gewinn bringen.
Nichts wird verschwendet
Zerschlissene Kleidung wird zu Putzfetzen verarbeitet, die kiloweise verkauft werden. Verschwendet wird also nichts. Was die Frauen nicht selbst verwerten können, bekommt die Caritas. Einige Frauen „produzieren“ selbst: Sie sticken oder stricken etwa Decken, oder nähen Kinder-Kleider, wie eine Frau mit rund 90 Jahren. Der Lohn der Mühen: das Miteinander beim Arbeiten und die Freude, wenn sie erfahren, dass sie geholfen haben.