Wer nach Ort im Innkreis kommt, kann unmöglich die vielen Gärtnereien und Baumschulen übersehen. Hier wird der Gartenbau seit Jahrhunderten gepflegt.
Schon der Name „Ort“ verweist auf die Gärtnerei, da er sich vom lateinischen Wort „hortus“ (= Garten) ableitet. Warum es gerade hier so viele Gartenbaubetriebe gibt, dürfte mit der klimatisch günstigen Lage zu tun haben. Angeblich hat es in Ort, anders als in umliegenden Gemeinden, seit über 200 Jahren nicht mehr ernstlich gehagelt.
Stauden, nicht Sträucher
Die vor fünf Jahren gegründete Gärtnerei „Sarastro“ in Ort gehört Christian Kreß. Der gebürtige Süddeutsche war in Österreich, Deutschland, der Schweiz und den Niederlanden tätig, bevor er sich ganz seinem Spezialbereich „Winterharte Blütenstauden“ widmete. Oft werden Stauden mit Sträuchern verwechselt, in Wahrheit handelt es sich bei Stauden um ausdauernde, wiederholt blühende Pflanzen mit wenig holzigem Gewebe (von Aster und Iris bis Primel und Schneeglöckerl). Besonderes Augenmerk legt Kreß auf Alpenpflanzen, die den Winter bei uns unbeschadet überstehen. In aller Welt sind Stauden beheimatet, weshalb – so Kreß – die Staudengärtner ein reisendes Volk sind. Es geht dabei nicht nur um die Pflanze an sich, sondern auch um das biologische und kulturelle Umfeld, in dem sie wächst.
Pflanzen werden getestet
Von skrupellosen Berufskollegen, die Raubbau an der Natur betreiben, indem sie Raritäten zehntausendfach ausgraben und verkaufen, hält Christian Kreß nichts. Schließlich müsse man Gärtner genug sein, um Pflanzen zu ziehen und zu vermehren. Er selbst hat Pflanzen von Nepal bis Ägypten in ihrem natürlichen Vorkommen besichtigt, hat von mancher Pflanze Samen oder einen Trieb mitgenommen und ihn auf „Winterhärte“ überprüft. Hält eine Pflanze drei bis vier Jahre durch, dann wird sie in den Katalog aufgenommen. Über zweitausend Sorten listet er darin auf, Kundenwünsche werden beim Besuch in der Gärtnerei oder durch Zusendung per Post erfüllt.
In Österreich gibt es eine gute Hand voll spezialisierter Staudengärtnereien. Christian Kreß vertritt diese Betriebe auch bei der Europaversammlung der Staudengärtner. Manche Kunden der Firma Kreß fahren übrigens bis zu 300 Kilometer, um die Pflanzen in den Schaubeeten in Ort zu sehen. Das ganze Jahr über grünt und blüht es hier. Es ist, wie Gartenpoet Karl Förster es nennt, ein „Garten der sieben Jahreszeiten.“
„Warum heißt ihre Gärtnerei Sarastro?“ Diese Frage wird Christian Kreß oft gestellt. Sarastro heißt der König aus Mozarts Oper „Zauberflöte“. Vor Jahren gelang Kreß eine spektakuläre Kreuzung zweier Glockenblumen mit langen, dunkelvioletten Blüten, die aber nicht wie ihre Herkunftspflanze wuchert, sondern monatelang blüht und wächst. Christian Kreß, der mit seiner Frau Friederike die Liebe zur klassischen Musik und zu Opern teilt, erinnerte sich an Sarastro aus der Zauberflöte: Der zuvor für wild und böse gehaltene König entpuppte sich zuletzt als guter Herrscher. Mit Freimaurerei hat freilich nur die Mozart-Oper, nicht aber die Gärtnerarbeit von Christian Kreß zu tun.
Die Familie lebt mit Pflanzen
In gewisser Weise waren es die Pflanzen, die Christian Kreß und seine Frau Friederike zusammengebracht haben. Sie lebten beide in Ort, er als Gartenmeister, sie als Lehrerin. Sie war fasziniert von seinem Botanik-Wissen, ihm gefiel ihre Naturverbundenheit und ihre Kenntnis der meisten heimischen Pflanzen. Mittlerweile interessieren sich auch schon die drei Töchter für Gartenfragen. Im privaten Garten hat der Gärtner zuletzt ein Frühlings-Staudenbeet zum Thema „Frieden“ bepflanzt: Schneerosen aus Kroatien, Serbien und Bosnien gedeihen nebeneinander, unter anderem sind Zwergnarzissen aus der Türkei oder Adonisröschen aus Sibirien zu finden.Als Lieblingsstauden nennt Christian Kreß übrigens die Profetenblume (Osttürkei) und das Gefüllte Leberblümchen (Tibet).