St. Pius akzeptiert berechtigte Kritik, aber diese Vorwürfe trafen nic
Ausgabe: 2000/17, St. Pius, Peuerbach
25.04.2000
- Martin Kranzl-Greinecker
„Wir lassen unsere Arbeit kritisieren und wissen, dass in St. Pius Reformen notwendig sind. Aber wir verwehren uns gegen unqualifizierte Angriffe, die nicht stimmen.“
So reagierte die Leitung des Peuerbacher Behindertenheimes St. Pius in der Karwoche auf im Raum stehende Vorwürfe. Wie bereits kurz berichtet, hatte der Grün-LAbg. Gunther Trübswasser in mehreren Medien die Caritas-Einrichtung St. Pius unhaltbarer Zustände beschuldigt. Konkret war u. a. von körperlicher Züchtigung, kindlicher Behandlung von Erwachsenen, mangelnder Bezahlung der Arbeit und unpassenden Wohnformen die Rede.
„Wir haben Reformbedarf“
Dass in St. Pius noch viel zu verbessern ist, bestreitet weder die Leiterin des Hauses, Sr. Hiltrud Bittermann, noch der Geschäftsführer von „Caritas für Menschen mit Behinderungen“, Dr. Josef Bauer. „Wir arbeiten seit drei Jahren an einer echten Reform für St. Pius“, so Bauer, „die auch selbstständige Wohnformen und gemeinsame Wohnmöglichkeiten für Paare vorsieht.“ Bisher sei die Realisierung an der Finanzierung gescheitert, ab 1. 1. 2001 wird das neue Konzept in den Bereichen Leben, Ausbildung, Erziehung und Arbeit verwirklicht.
Betroffenheit und Ansporn
Bei keiner Beschuldigung sah die Staatsanwaltschaft Anlass zum Einschreiten. Andere Vorwürfe wie die Möglichkeit, dass Gäste Zutritt zum Wohnbereich hätten, sind längst nicht mehr gültig. Bei Bezahlung und Aufsicht (z. B. beim Ausgehen) sei man dem Gesetz verpflichet.Viele Eltern der insgesamt 250 betreuten behinderten Menschen meldeten sich letzte Woche und zeigten sich solidarisch mit St. Pius. Unter den Angestellten löste die Affäre Betroffenheit, aber auch neuen Ansporn aus. Wegen der Aktion von LAbg. Trübswasser hat die Caritas einen Protestbrief an den OÖ. Landtag verfasst. Gegen einen mutmaßlichen Informanten, einst Mitarbeiter in St. Pius, sind rechtliche Schritte geplant.