„Fast jeden Tag stehe ich in einer Situation, wo ich Wissen und Erfahrungen aus dem Lehrgang ,Heilende Seelsorge‘ anwende“, sagt Ilse Nemmert.
Zufällig kam ihr ein Prospekt des ersten pastoralpsychologischen Lehrgangs, den das Bildungshaus St. Virgil mit dem Passauer Pastoraltheologen Isidor Baumgartner entwickelt hat, in die Hand. Der Titel „Heilende Seelsorge“ machte sie neugierig, erzählt Ilse Nemmert. Als ehrenamtlicher Motor des Gemeindelebens an der Filialkirche Thurn bei Lienz fühlte sie sich persönlich angesprochen. „Seelsorge ist für mich etwas, wo ich auch als Laienchristin gefragt bin. Ich denke, dass wir in den Gemeinden noch viel stärker dazu kommen sollten, füreinander Seelsorger/in zu sein – und das nicht nur wegen der Überlastung vieler Priester.“ Dass Seelsorge unter einem „heilenden“ Vorzeichen gesehen werden sollte, war für Ilse Nemmert ein weiterer Grund, sich für den Kurs anzumelden. „Ich habe selber an mir erfahren, dass ich Heilung brauche und ich habe gespürt, dass ich für andere heilsam sein kann.“ Gerade in einer Zeit, wo Kirche – auch aus Enttäuschung – nicht mehr selbstverständlicher Ansprechpartner ist für Menschen in Krisen, ist es Ilse Nemmert wichtig, dass „wir bereit und kompetent sind, anderen zuzuhören, Gespräche in Gang zu bringen und andere in ihrer Persönlichkeit wahrzunehmen und zu respektieren.“
Miteinander lernen
Der Kurs habe ihr für den Umgang mit Menschen viel gebracht, meint Ilse Nemmert. „Ich erlebe fast jeden Tag Situationen, wo ich das bewusst oder unbewusst anwende. Und lachend meint sie: „Ich habe viel von meiner Aggressivität verloren, wenn es Reibereien und Probleme gibt. Ich habe gelernt, Menschen und Dinge zu akzeptieren und zu verstehen, wie sie sind. Wenn man psychologische Zusammenhänge besser kennt, hilft das, toleranter zu werden.“ Das sei nicht nur für das persönliche Gespräch wichtig, sondern auch für das Geschehen in der Pfarre, wo man mit sehr unterschiedlichen Menschen zu tun hat und mit ihnen möglichst fruchtbringend zusammenarbeiten soll, betont Frau Nemmert. Besonders geschätzt am pastoralpsychologischen Lehrgang habe sie, dass es neben der intensiven Wissensvermittlung auch viel Raum gab, das Erlernte in Einzel- und Gruppengesprächen zu erproben. „Da haben wir hautnah erfahren, was heilende Seelsorge ist“, erinnert sich Ilse Nemmert an sehr tiefe und offene Gespräche. Die Gruppe von haupt- und ehrenamtlichen, von Priestern und Laien, die sie bei diesem Kurs kennen lernen durfte, war für sie ein Glücksfall und eine Kraftquelle. Kein Wunder, dass man auch nach einem Jahr noch in Kontakt ist.
Zur Sache
Menschen begleiten
Zum zweiten Mal beginnt heuer im Herbst der österreichweit ausgeschriebene pastoralpsychologische Lehrgang „Heilende Kirche“. Er wurde vom Pastoraltheologen Isidor Baumgartner und dem Bildungshaus St. Virgil in Salzburg erarbeitet. „Gerade heute, wo die Suche nach Sinn und Trost, nach Bewältigung von Schuld und Gebrochenheit oftmals unbehaust bleibt oder an der Kirche vorbeigeht, müssen wir uns kritisch fragen, was ist Seelsorge. Und mit dem Blick auf Jesus wird uns sehr rasch deutlich: Tun wir genug, um Menschen in ihren existentiellen Fragen und Krisen aufzufangen, um ihnen bei der Verwirklichung ihrer Sehnsucht nach einem erfüllten Leben beizustehen? Dazu bedarf es kompetenter Seelsorger/innen, die auch etwas von den Humanwissenschaften verstehen“, ist die Pastoraltheologin und Therapeutin Angelika Pressler überzeugt. Im pastoraltheologischen Lehrgang geht es darum, ehren- und hauptamtliche Seelsorger dafür zu qualifizieren, Menschen in krisenhaften Lebens- und Glaubenssituationen zu begleiten. Es geht aber auch darum, den Menschen als „soziales Wesen“ zu verstehen und zu lernen, Gruppen gut zu leiten. „Seelsorger/innen heute müssen eine hohe Konfliktlösungs- und Kommunikationsfähigkeit haben, sie müssen als Brückenbauer zwischen den polarisierenden Gruppen in der Kirche vermitteln“, betont Pressler.
- Der pastoralpsychologische Lehrgang „Heilende Kirche“ beginnt am 2. Oktober. Er umfasst sieben mehrtägige Lehreinheiten. Kursgebühr: 16.700 Schilling.
- Rasche Anmeldung erbeten an: Bildungshaus St. Virgil, Denis Stürzl, 5026 Salzburg-Aigen, Telefon 0662/65 901- 531 (Fax -509), denis.stuerzl@virgil.salzburg.at