In einem Brief an die neun deutschen Kardinäle hat Papst Johannes Paul II. das Wirken der katholischen Kirche in ihrem Land gewürdigt. Gleichzeitig beklagt er fehlerhafte Entwicklungen in der Ökumene, in der Ausbildung von Theologen sowie in der Zusammenarbeit von Priestern und Laien. In dem Schreiben anlässlich der Kardinalsernennungen ruft er dazu auf, wirkungsvolle Maßnahmen dagegen zu ergreifen und die Einheit der deutschen Kirche mit Papst und Weltkirche zu wahren.
Insbesondere warnt Johannes Paul vor einer Verweltlichung der Kirche. Sie verfüge zwar über eine „solide organisatorische Struktur“. Zugleich sei aber nicht zu übersehen, dass sich immer mehr Menschen vom aktiven Glaubensleben zurückzögen. Kardinal Joachim Meisner bezeichnete den Brief als „Vermächtnis des Papstes“ an die Kirche in Deutschland. Der Kölner Erzbischof wies darauf hin, dass Katholiken den Brief „sehr ernst“ nehmen sollten. Mit den Worten „Lehmann bleibt, der Brief und der Ärger darüber werden vergehen“ kommentierte Bischof Heinrich Mussinghoff den Brief. Der Papst analysiere die Situation in Deutschland durchaus richtig, meinte der Stellvertretende Vorsitzende der Bischofskonferenz. Eine andere Frage sei, „ob er immer die richtigen Folgerungen aus dieser Analyse zieht – manches bewerten wir Bischöfe vor Ort anders“, so Mussinghoff.