Alle Welt fastet – im Internet und per Handy lässt es sich heuer trefflich fasten
Ausgabe: 2001/12, fasten, Besinnen, Fastenkur,
21.03.2001
- Elisabeth Leitner
Wer fastet, liegt im Trend. Entlastungstage, Konsumverzicht, Fastenkur ... die Angebote sind so vielfältig wie die Gründe zu fasten. „Fasten online“ heißt im Internet z.B. Verzicht auf Erotik-Seiten.
Ungewöhnliche Wege geht der deutsche Internet-Anbieter „www.texxas.de Die virtuelle Programmzeitschrift hat eine Woche lang den Zugang für Erotik-Seiten im Internet gesperrt. Internet-Benutzer/innen („User“), die ihrer Lust im Netz nachgehen wollten, landeten – ob gewollt oder ungewollt – bei „Fasten-Online“. „Besinnlichkeit statt Busen, Nachdenken statt Nackedeis“ lautet die Devise. Betreut werden die fastenwilligen „User“ vom Internet-Geistlichen Kapuzinerbruder Paulus Terwitte aus Frankfurt. Bruder Paulus, der sich vor fünf Jahren mit dem Internet vertraut gemacht hat, erzählt im Gespräch, dass die Idee zur Fastenaktion von „texxas.de“ selbst stammt. Wer auf die Erotik-Seiten während der Fastenzeit verzichtet, kann eine Absichtserklärung an Bruder Paulus schreiben: „Bis jetzt haben sich 145 Personen beteiligt. Die Rückmeldungen sind sehr positiv“, berichtet der Ordensmann.
Sinnlose Neugier
So manches Geständnis landet mit der elektronischen Post (E-Mail) in Bruder Paulus’ Postfach. So etwa folgende E-Mail: „Ich bin mir sicher, dass ich in den letzten sechs Monaten aus Neugier Sexseiten im Internet angesehen habe. Eine sinnlose Neugier, bei der mir fast schlecht geworden ist.“ Andere wiederum bekennen, dass sie süchtig sind nach „Liebe im Netz“ und Schwierigkeiten haben mit ihren wirklichen Partnern. Paulus Terwitte gibt Rat, macht Mut, spricht von Gott. „Ich möchte meine Netze auf dem Meer des Internet weit auswerfen. Per E-Mail bin ich z. B. geistlicher Begleiter von 12 Personen.“ Bruder Paulus, der auch den „Kapuziner-Chat“ – eine Gesprächsmöglichkeit im Internet mit Kapuzinerpatres – betreut, betrachtet die neue, für viele Menschen noch gänzlich unbekannte Form der Kommunikation als „apostolische Tätigkeit“. „Das Internet ist ein Medium, das viele Versuchungen enthält. Es geht darum, diese Allmachtsphantasien zu beherrschen. Man kann sich davon besetzen lassen oder es nutzen. Ich biete „Bodybuilding für die Seele“. 40 Tage ohne Online-Sex – das ist ein konkretes Angebot“, ist Bruder Paulus von der Durchschlagskraft seiner virtuellen Mission überzeugt.
Dass die Meinungen über das Internet in kirchlichen Kreisen geteilt sind, wurde bei der Jahrestagung des Medien-Rates im Vatikan deutlich. Ein abschließendes Dokument zur „Internet-Ethik“ wurde trotz Drängen von Papst Johannes Paul II. nicht erstellt. Einig war man sich nur darin, dass die Kirche das Internet nicht als unmoralisch verteufeln darf. Sie soll genau untersuchen, welche Veränderungen es bewirkt.
Fasten mit dem Handy
Fasten als Verzicht, der Gewinn bringt, von Abhängigkeiten befreit, Gewohnheiten durchbrechen lässt. Das gilt nicht nur für den ausufernden Gebrauch des Internets, sondern auch für passionierte Handybenutzer/innen. Ein Anstoß zum Nachdenken: Warum muss ich jeder Zeit erreichbar sein? Was glaube ich zu versäumen? Wann hat der „leibhaftige“ Mensch neben mir Vorrang gegenüber Telefongesprächen? Oder umgekehrt: Wer wartet schon lange auf ein Lebenszeichen von mir? Per SMS, einer kurzen Nachricht per Handy, lässt sich auch anders fasten.
Fasten-Links & Tipps:
Fasten anders
Wer mit Bruder Paulus Kontakt aufnehmen will, kann dies unter folgender E-Mail-Adresse tun: paulus.terwitte@kapuziner.org
Bei www.fasten.at werden Ernährungstipps und Erfahrungsberichte über das Fasten geliefert, auch ein Fasten-Chat wird angeboten, ... allerdings ist dieser nur selten besucht. Die katholische Zeitschrift „Dialog“ lädt mit Meditationen zu Nachdenkpausen im Internet ein: www.dialog.at
„Fasten mit dem Handy“ funktioniert so, dass man eine Kurznachricht „Fasten“ an folgende Telefonnummer schickt: 0049/170/655 44 07. Bis Ostersonntag erhält man täglich einen Bibelvers! (Eine Aktion der Kath. Kirche in Deutschland).