Der Markt der österreichischen Stromerzeuger ist in heftiger Bewegung. Wenn sich ab 1. Oktober 2001 die Kunden aussuchen können, von wem sie Strom beziehen, will die E-Wirtschaft durch Partner gestärkt sein.
Das Landesunternehmen Energie AG Oberösterreich (vormals OKA) ist einbezogen in dieses Tauziehen, das eine geschäftspolitische wie auch ein politische Seite hat. Eine besondere Note erhält die Strommarkt-Politik durch starke Verschachtelungen verschiedener Konzerne. Unternehmens-Mütter und Unternehmens-Töchter halten aneinander gegenseitig Anteile. So ist die oberösterreichische Energie AG gemeinsam mit der steirischen Estag und dem Verbund an der niederösterreichischen EVN beteiligt, diese wollen die Beteiligung aber verkaufen. Die EVN wiederum hat am Verbund eine Sperrminorität.
Preise werden sinken
Fit für den freien Markt zu werden, heißt für die Unternehmen zu verkraften, dass der Strompreis ab Herbst 2001 um fünf oder sechs Prozent sinken wird, wie Experten erwarten. Wachsen und Partner finden, ist daher die hektische Devise. Ausländische wie inländische Lösungen für strategische Partnerschaften sind/waren im Gespräch. So zeigt die deutsche E.ON wie auch die französische EdF Interesse am Verbund. Hier meldet sich die Politik zu Wort. Viele reden einer österreichischen Lösung das Wort. Es soll verhindert werden, dass Atomstrom-Unternehmen am atomstromfreien österreichischen Energiemarkt mitmischen. Die Kirchenzeitung sprach vor diesem Hintergrund mit Dr. Hans Zeinhofer, dem Prokuristen der Energie AG OÖ, im Unternehmen zuständig für Marketing und Vertrieb. Die Energie AG versorgt etwa eine Million Menschen mit Strom. Dr. Zeinhofer erwartet auch in den nächsten Jahren Zuwachsraten (EDV, die Geräte mit Standby werden mehr, Akkus ...).
Strom-Konkurrenz
„Wieso sollte eine große österreichische Lösung angestrebt werden?“, fragt Dr. Zeinhofer. So würde wieder ein Monopol entstehen. Warum sollte man das wollen? Vielleicht, um einen Ansprechpartner zu haben, dem man seine gesellschaftspolitischen Ziele kundtut. Konkurrenz am heimischen Strom-Markt mit starken Unternehmensgruppen (mit jeweils anderen Partnern) wäre sinnvoll, sagt Dr. Zeinhofer. Neben dem Zusammenschluss von großen Versorgungsunternehmen haben sich nun aber auch „Ökostrom“ und der größte heimische Windkrafterzeuger WEB zusammengeschlossen. Je mehr ausländische Konzerne am österreichischen Strommarkt beteiligt sind, desto wahrscheinlicher ist es, dass ins österreichische Netz auch Atomstrom eingespeist wird, fürchten für die Umwelt engagierte Menschen.
Ökologie hat Zukunft
Die Stromzukunft wird ökologischer, wenn auch Grüne und Umweltschützer kritisieren, zu wenig. Es gibt aber ermutigende Zeichen: Ab 1. Jänner 2002 sind die Energie-Unternehmen verpflichtet, bei der Rechnungslegung für die Kunden auszuweisen, aus welchem Mix sich ihre Energie-Aufbringung zusammensetzt. Bis zum Jahr 2005 müssen 4 % der Energieaufbringung aus neuen erneuerbaren Quellen kommen: aus Windenergie, Geothermie, Photovoltaik, Biomasse, Biogas. Bis Ende 2002 müssen 8 % des Stroms aus Kleinkraftwerken (Jahresleistung weniger als 10 Megawatt) stammen. Derzeit speisen 300 Kleinkraftwerke ins Netz der Energie AG ein! Die Kraftwerksverbauung des Rannatales, so Dr. Zeinhofer, ist kein Thema mehr. „Wir verfolgen derzeit kein neues Kraftwerksprojekt.“ Die Energie AG wird einen Freizeit-Tarif vorlegen: Zwischen 22 und 6 Uhr und am Wochen-ende wird der Strombezug um ein Fünftel billiger. Auch ein Öko-Tarif wird angeboten: Mit einem Aufpreis von 25 Groschen auf die Kilowattstunde stützt der Kunde Ökostrom-Projekte.