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Die Caritas-Helfer/innen haben Hochbetrieb

Die Haussammlung ist die wichtigste Sammlung der Caritas
Ausgabe: 2001/14, Caritas, Forster, Haussammlung, Männer, Armut, AMS
03.04.2001
- Kirchenzeitung der Diözese Linz
Verglichen mit dem gleichen Zeitraum des Vorjahres verzeichnete die Caritas der Diözese Linz in den ersten drei Monaten des heurigen Jahres um 50 Prozent mehr Beratung suchende Menschen. Caritasdirektor Prälat Josef Mayr sieht einen Zusammenhang zwischen dieser Beobachtung und einer zumindest nicht überall geglückten sozialen Treffsicherheit der Sparmaßnahmen. Dies habe auch Vizekanzlerin Susanne Riess-Passer zugegeben.

„Wenn sich dieser Trend fortsetzt“, so die Leiterin der sozialen Beratung und Hilfe der Caritas, Eva Forster, „dann reicht unser Budget heuer gewiss nicht aus.“ Umso mehr ist die Caritas auf die Haussammlung angewiesen, die in diesen Tagen startet.

Im Vorjahr betrug dabei das diözesane Ergebnis 20,4 Millionen Schilling. Auf eine Steigerung, um der vermehrten Inanspruchnahme von Hilfe entsprechen zu können, hofft Direktor Mayr.


8.000 Haussammler/innen bitten um Hilfe


Die Haussammlung ist die wichtigste Spendenaktion der Caritas in Oberösterreich. Etwa 8.000 Sammler/innen werden im April und teilweise auch noch im Mai unterwegs sein und um Spenden bitten. Es wird, gerade in städtischen Pfarren, schwieriger, genug Sammler/innen zu gewinnen. Erstmals wagte daher die Caritas zur Haussammlung auch den Schritt, über Inserate Menschen für die Sammler/innen-Tätigkeit anzusprechen, die sonst vielleicht keinen regelmäßigen Kontakt zur Pfarre haben. Wilma Levassor von der Caritas berichtet, dass über diese unkonventionelle Art manch jüngere Menschen zum Caritas-Dienst gewonnen werden konnten. Inhaltliche Anmerkungen siehe "Mehr alleinstehende Männer".

Mehr alleinstehende Männer


Zur Caritas kommen zunehmend alleinstehende Männer. Auch andere Bedürftigkeiten nehmen zu. Für die Caritas gibt es mehr zu tun.
Eva Forster von der Sozialhilfe der Caritas gibt zu bedenken: „Nach einer Trennung oder Scheidung fällt für viele die materielle Absicherung weg... Bis alle Ansprüche der Frauen und Kinder geklärt sind, müssen sie oft über Monate ohne Grundabsicherung leben.“ In Schwierigkeiten können auch Familien kommen, in denen ein Familienmitglied gepflegt wird, für das es Pflegegeld gibt, wenn diese pflegebedürftige Person länger/öfter ins Krankenhaus kommt. Denn dabei entfällt der Bezug des Pflegegeldes und für zwischendurch erhält die pflegende Person keine Arbeit. Sie kann damit fehlendes Einkommen nicht ausgleichen.
Die Arbeitslosigkeit sinkt zwar, aber beim Bezug von Arbeitslosengeld ist das Arbeitsmarktservice (AMS) gnadenloser und streicht Bezüge. Frau Forster berichtet von einer arbeitslosen Lehrerin mit Betreuungspflicht, die vom AMS zum Vorstellen für einen Putz-Job geschickt wurde. Sie sei für den Job nicht willig gewesen, sagte das AMS und strich ihr für sechs Wochen die Bezüge...
Viele sind hoch verschuldet, etliche haben nicht einmal soviel Einkommen wie der Sozialhilfe-Richtsatz beträgt... Die Caritas hat ein weites Feld zu bestellen.


WAS SAGEN SIE?


50 Prozent mehr Hilfesuchende


Gerade auf die jetzt beginnende Haussammlung baut die Caritas, um Geld für ihre Hilfsaufgaben im Inland zu bekommen. Frau Forster hat in der Beratung mit dem steigenden Andrang an Vorsprachen von Hilfesuchenden zu tun. Wie erklären Sie sich die zunehmenden Notfälle?

Forster:
Wir hatten heuer in den ersten drei Monaten 1.655 Vorsprachen, das sind um 50% mehr als im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Die Probleme ändern sich eigentlich nicht, sie betreffen nur mehr Leute. Staatliche Unterstützungen sind weniger geworden, etwa bei der Notstandshilfe. Das kann für kinderreiche Familien das Einkommen monatlich um 1.000,– Schilling reduzieren.

Das Einkommen der Ärmeren ist gesunken, sagen Sie. Sind auch die Ausgaben gestiegen?

Forster:
Ja, gerade bei den Energiekosten. Das wird in den ersten Monaten des Jahres spürbar, weil da die Abrechnungen kommen.

Sie kritisieren, dass das Arbeitsmarktservice auch Personen mit Betreuungspflichten Bezüge sperrt.

Forster:
Ja, das ist eine unmögliche Vorgangsweise. Solange jemand zu betreuen ist, sollte das nicht gemacht werden.

Eva Forster leitet dieSozialeBeratung und Hilfe sowie die Schwangerenberatung der Caritas Linz.
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