Die Auferstehung Jesu sprengt jeden Rahmen historischer Beweise. Was sagt schon ein leeres Grab? Durch die in den Evangelien überlieferten Auferstehungs- und Erscheinungsberichte zieht sich, wenn auch in ganz unterschiedlicher Weise und in verschiedenem Tempo, ein gemeinsamer roter Faden: Hoffnungslosigkeit, Mutlosigkeit und Enttäuschung werden in ein „brennendes Herz“ verwandelt. Nicht plötzlich (das wäre wohl zu simpel angesichts des unglaublichen Ereignisses), sondern in einem Prozess. Und wie gesagt: unterschiedlich schnell.
Wir denken uns in die Gemütsverfassung der Frauen, die in den frühen Morgenstunden zum Grab gehen, im ihrem so verehrten Meister einen letzten Dienst zu erweisen. Die Botschaft der Engel löst zunächst einmal Furcht aus. Wie sollen sie es auch auf Anhieb begreifen können? Wir sehen Maria von Magdala auf der Suche nach ihrem geliebten Herrn. Zur großen Traurigkeit kommt noch ein Tiefschlag hinzu: „Man hat den Herrn aus dem Grab weggenommen.“ Sie kann in ihrer Verzweiflung nur schnell zu Simon Petrus laufen.
Wir eilen mit Petrus und Johannes zum Grab. Sie sind zunächst ungläubig und irritiert von den ersten Nachrichten über das Verschwinden des Leichnams Jesu. Was sehen wir? Ein paar Utensilien. „Denn sie wussten noch nicht aus der Schrift, dass er von den Toten auferstehen musste.“ Ist es verwunderlich, dass sich die Jünger nach all diesen Vorgängen aus Angst versammeln und die Türen verschließen? Und da stehen wir mit dem zweifelnden Thomas da. Hat er im Grunde nicht Recht, dass er auch einen Beweis haben möchte? Ich bin sicher, dass er, Thomas, nicht der Einzige war, der sich hinten und vorn nicht mehr auskannte. Schließlich haben wir da noch die zwei Männer auf dem Weg von Jerusalem nach Emmaus. Wie groß war die Hoffnung auf den Messias in Jerusalem noch gewesen! Jetzt bleibt ihnen nichts anderes, als in die kleine Sicherheit ihrer vier Wände nach Hause zurückzukehren.
In all diesen Personen, und wahrscheinlich ging es allen anderen ähnlich, kommt etwas in Bewegung. Plötzlich ist da in vielfacher Weise von Laufen und Eilen die Rede. Nicht, weil die Zeit drängte, sondern weil die nicht mehr zu halten waren. So sieht beginnende Erfahrung von Auferstehung aus. Was sagt schon ein leeres Grab! Ich mache mich auf die Suche, wie und wo in meinem Leben solche österliche Erfahrung geschenkt wurde – und wird. Auf dass manchmal mein Herz zu „brennen“ beginnt. Und deines!
Erich Gutheinz, Pfarrer in Innsbruck-Allerheiligen, von 1979 bis 1984 Schriftleiter der Kirchenzeitung der Diözese Innsbruck.