Jesus wird vom Kreuz heruntergenommen. Der bislang unbekannte Josef aus Arimathäa hat sich persönlich für die Freigabe der Leiche Jesu eingesetzt. Ohne dieses mutige Auftreten wäre Jesus wohl in einem Massengrab für Verbrecher verscharrt worden. Die Leiche Jesu wird unter großem Zeitdruck für die Grablegung hergerichtet – und es gelingt bis zum Abend, ein ordentliches Begräbnis durchzuführen. Josef, der Ratsherr, stellt sogar das eigene Grab zur Verfügung. Einem „Verbrecher“ ein Begräbnis auszurichten und eine teure Grabstelle zu überlassen – welch große Achtung muss der Mann aus Arimathäa vor Jesus gehabt haben! Die Frauen, die Jesus bis unter das Kreuz gefolgt sind – allen voran Maria aus Magdala –, beobachten aus der Ferne, was mit ihrem toten Meister passiert. Was werden sie wohl gedacht und gefühlt haben? Sie, die ihrem Rabbi gefolgt sind, sie, die diesem Mann ein neues, tiefes Leben verdanken – jetzt sehen sie ihre Hoffnung, ihre Liebe begraben. Der Tod in seiner ganzen Wucht und Härte ist hier greifbar. Wie diese Frauen fühlen und fragen auch heute jene, denen ein Mensch weggestorben ist: War alles im Leben dieses Menschen umsonst, alles Reifen, alles Bemühen, alle Freude vergeblich? Endet alles im Grab?Der Tod durchkreuzt das Leben: Jesus teilt – ohne Umwege – diese Erfahrung mit uns. Aber der Tod hat dennoch nicht das letzte Wort. So erfährt Maria aus Magdala, dass der am Kreuz Umgekommene lebt – anders, neu, verwandelt. Auch den Jüngern begegnet der auferweckte Meister, und sie kehren nach Jerusalem zurück. Was im Grab, im Tod, bei der Auferweckung mit Jesus genau geschehen ist, das wissen sie nicht. Nur eines bezeugen sie: Jesus – der Verwandelte – ist nicht mehr im Tod. Gottes Macht und Treue hat also da noch Möglichkeiten, wo Menschen an die Grenzen ihres Lebens stoßen. Der Theologe Wilhelm Breuning schreibt: „Auferweckung … heißt, dass von all dem Gott nichts verloren gegangen ist, weil er den Menschen liebt. Alle Tränen hat er gesammelt, und kein Lächeln ist ihm weggehuscht. Auferweckung … heißt, dass der Mensch bei Gott nicht nur seinen letzten Augenblick wiederfindet, sondern seine Geschichte.“