Heuer ist eines der seltenen Jahre, in dem die Christen der östlichen und der westlichen Tradition das Osterfest gemeinsam feiern. „Ist Christus aber nicht auferstanden, so ist euer Glaube nichtig“, schreibt Paulus. Er bringt es auf den Punkt: An Ostern hängt alles. Deshalb bildet das Thema „Ostern feiern“ auch den Schwerpunkt dieser Kirchenzeitung.
Im Bewusstsein vieler Menschen in unseren Breiten ist wohl Weihnachten das „wichtigste“ Fest. Für die Gläubigen der Ostkirchen ist Ostern der mit allen Sinnen gelebte Höhepunkt des Kirchenjahres. Wir baten daher den an der katholischen Fakultät der Universität Graz lehrenden orthodoxen Theologen Grigorios Larentzakis um seine Gedanken zum Ostern.
„Die Auferstehung Jesu ist der Höhepunkt der einmaligen Heilstat unseres Erlösers. Erst von da her gewinnen Kreuz und Tod ihre Bedeutung. Wir glauben, dass durch die Auferstehung des Herrn die ganze Menschheit mitauferstanden ist. Und wir glauben daran, dass durch den Tod Christi der Tod des Menschen einen neuen Sinn bekommen hat. Durch die Auferstehung des Herrn verliert unser Tod sein furchtbares Gesicht. Er ist nicht mehr sinnlose Katastrophe, sondern ein neuer Beginn zum Leben bei Gott.
In einem Osterlied der orthodoxen Kirche heißt es: ,Christus ist von den Toten auferstanden, er hat den Tod bezwungen, und allen, die in den Gräbern sind, hat er Leben geschenkt.‘ Das drückt auch das klassische orthodoxe Auferstehungsbild aus: Jesus steigt in das Reich des Todes hinab, nimmt Adam und Eva bei der Hand und führt mit ihnen alle Menschen in die Höhe, damit sie mit dem Auferstandenen auferstehen. Das gibt uns Hoffnung und Zuversicht. Aber das muss auch für die Verantwortlichen unserer Kirchen Vorbild sein, zu allen Menschen zu gehen, die Hilfe, Ermutigung und Beistand benötigen; zu allen Menschen zu gehen, wo immer sie auch sind, um die Frohbotschaft des Lebens zu bringen und die Hoffnung und Freude aus der Auferstehung des Herrn verstehbar zu vermitteln.“
Hinabgestiegen in das Reich des Todes
In der Ikonenmalerei der orthodoxen Kirche ist die Darstellung des frühchristlichen Bekenntnisses vom Hinabsteigen Jesu in das Reich des Todes das zentrale Ostermotiv. Es zeigt, wie Jesus, indem er bis in den Tod hinein zum Bruder des Menschen wurde, die Herrschaft des Todes aufgesprengt hat. Die herausgerissenen Türpfosten liegen in Kreuzesform über dem Eingang zum Totenreich. Jesus reicht Adam und Eva die Hand und führt mit ihnen das Menschengeschlecht aus der Dunkelheit in sein Licht. Die Stammeltern umgeben die Könige David und Salomo, Johannes der Täufer und andere große Gestalten Israels. Er, der Messias, Fleisch aus ihrem Fleisch, führt sie heim ins gelobte Land.