Christus in der Kunst. Wir stellen heute das Gemälde „Der gelbe Christus“ von Paul Gauguin vor.
„Bei dem Kreuze Jesu standen seine Mutter und die Schwester seiner Mutter, Maria, die Frau des Klopas, und Maria aus Magdala“ (Joh 19,25). Das hier abgebildete Gemälde von Paul Gauguin ist aus dem Jahr 1889 und trägt den Titel „Der gelbe Christus“.Der Künstler Gauguin steht zeitlich am Beginn der Epoche der Modernen Kunst. Nicht die Abbildung der Realität, das Wiedergeben des vordergründig Sichtbaren ist Aufgabe der Kunst.
Moderne Kunst will „sichtbar“ machen, unsere Wahrnehmung durch Übertreibung und Verzerrung schärfen. Seelische Untiefen werden thematisiert, die Alltagswelt wird kritisch beäugt und künstlerisch verfremdet.Während die abendländische Kunst lange Zeit vorwiegend im Dienst der christlichen Religion stand, kam es im 19. Jahrhundert zur Auffassung, Kunst sei Religion. Der 1848 in Paris geborene Paul Gauguin war Matrose, Bankangestellter, Börsenmakler und bildete sich – sozusagen – selbst zum Künstler aus.
Am Beginn seines Schaffens stand die Beschäftigung mit der bäuerlichen Welt. Das Gemälde „Der gelbe Chris-tus“ entstand während eines Aufenthalts in der Bretagne. Gauguin hat die Tradition – Kunst als Vermittlerin des Religiösen – in die Gestaltung seines Bildes miteinfließen lassen. Die drei bretonischen Bäuerinnen sind Nachfolgerinnen der drei Frauen unter dem Kreuz, die auch als Erste die Osterbotschaft empfangen haben. Nach Johannes (Joh 20,13–29) war es Maria von Magdala, die als Erste den Auferstandenen sah und verkündete: „Ich habe den Herrn gesehen.“ Die Botschaft der Auferstehung hat aus einer kleinen jüdischen Sekte eine Weltreligion gemacht.