Für mehr Kollegialität in der Leitung der Kirche hat sich Kardinal Joseph Ratzinger in einem Interview mit der Zeitung „Il Giornale“ ausgesprochen. Laut Ratzinger gehe es nicht um eine Änderung des Prinzips Kollegialiät, sondern darum, Wege zu finden, wie die gemeinsame Verantwortung in der Kirchenleitung wirksamer ausgeübt werden kann. Ratzinger betonte, der Papst sei „nicht der Alleinherrscher der Bischöfe, sondern der Diener der Gemeinschaft, der die Brüder im Glauben bestärkt“. Zum Primat des Papstes meinte Ratzinger, dass es einen „dauernden Kern des Petrus-Primates“ gebe. Die Formen, in denen dieser ausgeübt werde, könnten sich jedoch ändern. Die Frage der stärkeren Einbeziehung des Kardinalskollegiums und einer Vertretung der Ortsbischöfe (eventuell Bischofssynode) in die Leitung der Kirche soll auch einen Schwerpunkt beim bevorstehenden Konsistorium (Versammlung der Kardinäle) bilden. Bei der Bischofssynode im Herbst zum Thema „Bischofsamt“ steht dieses Thema offiziell noch nicht auf der Tagesordnung. Es gibt allerdings Vorstöße verschiedener Bischofskonferenzen, die auf eine stärkere Beteiligung der Ortskirchen, sowohl bei der Klärung wichtiger theologischer Fragen als auch bei Personalentscheidungen, abzielen.