Es ist immer wieder erstaunlich, in welcher Kürze und Klarheit die Apostelgeschichte Ereignisse im Leben der ersten Christengemeinde in Jerusalem schildert. In den knappen Zeilen blitzt die Begeisterung auf, die Auferstehungsglaube und Pfingstfest in den Menschen ausgelöst haben, die dem „neuen Weg“ folgen. Wie kläglich nimmt sich in diesem Fall der Skeptiker aus, der hinweist auf die Ungereimtheiten, Widersprüche und fragwürdigen Wundererzählungen. Als ob Glaubensbegeisterung und die daraus resultierenden „Zeichen des Heiles“ jemals über den Raster einer historischen Forschung den Wahrheitsbeweis antreten müssten …
Da ist also die Rede von Kranken und von von unreinen Geistern Geplagten, die man auf die Straßen hinausträgt und die von überall her nach Jerusalem gebracht werden, damit wenigstens der Schatten des vorübergehenden Petrus auf sie falle. Entgegen allen immer wieder vorgebrachten Einwänden in Richtung Magie oder Zauberei oder auch nostalgischer Verklärung spricht aus der kurzen Erzählung ein elementares Urvertrauen. Ein Vertrauen darauf, dass alles gut werden kann, dass Heilwerden geschehen kann, dass Hoffnung angesagt ist.
Wie kann ich, der auch zu denen gehören darf, „die im Glauben zum Herrn geführt wurden“, wie kann ich dieses Vertrauen heute bezeugen? Wie kann ich als Vertreter oder Vertreterin meiner Kirche glaubhaft weitersagen und erfahren lassen, dass die erzählten Ereignisse keine Märchen sind?Die Kranken und die von unreinen Geistern Geplagten von damals (wie immer das ausgesehen haben mag!) sind heute die Unzähligen, für die der Osterglaube keine tragfähige Kraft mehr im Leben ist. Es sind die Armen, die Ausgegrenzten, die „Kleinen“, die unter die Räder Gekommenen, hier bei uns und überall auf der Welt. Ihre Zahl ist Legion.
Da bin ich, da sind meine Gemeinde und meine Kirche gefordert. Auch wenn ich weiß, dass ich wahrscheinlich weit zurück bleibe …Das II. Vatikanische Konzil hatte in vielen Menschen neue Hoffnungen geweckt, dass sich Kirche wirklich den Menschen zuwendet, denn „Freude und Sorgen der Menschen von heute sind auch Freude und Sorge der Jünger und Jüngerinnen Christi“. Ich will nicht beurteilen, wieviel von diesem großen Aufbruch auf der Strecke geblieben ist. Aber ich sehe die Erwartungen so vieler Menschen. Man trägt sie nicht mehr auf die Straßen. Trotzdem: vermittle ich einen Glauben, dass wenigstens ein kleiner Schatten des Petrus auf sie fällt?
Erich Gutheinz, Pfarrer in Innsbruck-Allerheiligen, von 1979 bis 1984 Schriftleiter der Kirchenzeitung der Diözese Innsbruck.