- Kirchenzeitung der Diözese Linz, Stefan Schlager
Es gibt wohl kaum einen „Ort“, der solch wechselhafte Geschichte erlebt hat wie der „Himmel“. Galt der Himmel in früheren Zeiten als genau beschriebener Zielort nach dem Tod – mit Engeln, Musik, Gold und paradisischem Beiwerk ausgestattet –, so ist es heute um den Himmel still geworden. Die allzu genauen Bilder vom Himmel greifen nicht mehr – und werden wie alte, nicht mehr passende Kleidungsstücke abgelegt: zu Recht!
Im alttestamentlichen Buch der Weisheit steht: „Wir erraten kaum, was auf der Erde vorgeht, und finden nur mit Mühe, was doch auf der Hand liegt; wer kann dann ergründen, was im Himmel ist?“ (Weish 9, 16) Die Bibel weiß um die große Differenz zwischen menschlichen Vorstellungen und dem „eigentlichen Himmel“!
Was aber könnte die Bibel andeuten, wenn sie vom „Himmel“ spricht? Die Apostelgeschichte erzählt, wie Stephanus vor seiner Hinrichtung eine Vision hat. Der Tübinger Theologe Fridolin Stier übersetzt dabei die Worte des Stephanus so: „Da! Ich schaue die Himmel: Durch und durch offen und den Menschensohn stehend zur Rechten Gottes.“ Das, was Stephanus widerfährt, hat mit einem österlichen „Durchblick“ zu tun. Stephanus schaut, dass er im Tod nichts verliert, sondern alles gewinnt. Himmel bedeutet hier also: heilende Begegnung – mit Gott und seinem Auferweckten. Himmel meint: „Vollendung“ des Lebens – das, was in meinem Leben zu reifen begonnen hat, darf und kann in der Begegnung mit Gott aufblühen, nichts war umsonst. Himmel heißt: auf-gerichtet, zurecht-gerichtet, wieder her-gerichtet werden.
Während des letzten Abendmahles formuliert Jesus seine „Himmels“-Hoffnung. Das Bild, das er dabei verwendet, ist das Bild des Festmahles (Mk 14, 25). In diesem Hoffnungsbild verdichtet sich die ganze Gotteserfahrung Jesu: Sein Gott ist ein Gott der Gemeinschaft, ein Gott der Zuwendung – und diese Zuwendung verwandelt! Die Gemeinschaft Gottes aber reicht über den Tod hinaus. Sie lässt niemanden fallen. Himmel heißt, dass auch einmal zwischen den Menschen nichts mehr im Weg stehen wird – statt Konflikt, Missverständnis und Hass versöhntes, verwandeltes, erlöstes Feiern.