Maria Hauser, Solidaritätspreisträgerin der KIZ, stellt ihr neues Buch vor
Ausgabe: 2001/17, Valeries Baum, Maria Hauser, Hauser, Buchpräsentation, SChicho, DDr. Josef Schicho, Alles Blut ist rot, Erzählung, Homosexuelle, Zwangsarbeiter, Solidaritätspreisträgerin, Edition Geschichte der Heimat,
24.04.2001
- Josef Wallner
In „Valeries Baum“ erzählt Maria Hauser – spannend und einfühlsam – das Leben eines Mühlviertler Mädchens, deren Vater ein französischer Zwangsarbeiter war.
Der Saal im Pregartner Kulturzentrum Bruckmühle war vergangenen Mittwoch bis auf den letzten Platz gefüllt: Über 120 Gäste kamen zur Präsentation von Maria Hausers neuem Buch „Valeries Baum“. Die Bad Leonfeldner Autorin beschreibt darin das Schicksal eines Kindes, das mit einer Bürde aufwächst. Es ist die Tochter eines französischen Zwangsarbeiters, der in einem Mühlviertler Dorf auf einem Bauernhof schuften musste. Hauser erzählt Valeries Heranwachsen in einem strohgedeckten „Häusl“ mit Mutter und Großmutter, die Einsamkeit des Mädchens und die wenigen Lichtblicke seines materiell und emotional kargen Lebens. Eine besondere Rolle spielt eine „sprechende“ Birke, die Valerie Geborgenheit und Trost schenkt.
Geschichte findet Erzählerin
Nicht weniger spannend als die Geschichte Valeries sind die Wege, auf denen Hauser an die Geschichte kam: Über eine verlorene Geldbörse lernte sie Valerie kennen, die heute Mann und Kinder hat und in deren Garten drei große Birken stehen. Die pensionierte Kindergärtnerin Hauser gibt dem schüchternen Mädchen Valerie eine Stimme und hilft ihm, sich auszusprechen.
Stimme für die Kleinen
Wie ein roter Faden zieht sich diese Perspektive durch alle Bücher Maria Hausers: Die Autorin stellt Menschen in den Mittelpunkt, die die Gesellschaft ins „Out“ gedrängt hat. In „Im Himmel kein Platz“ beschreibt sie Lebensgeschichten von homosexuell Liebenden. „Alles Blut ist rot“ handelt von aidskranken Menschen, und zwei Erzählbände machen das Leben von Knechten, Mägden und kleinen Leuten im Mühlviertel lebendig. DDr. Josef Schicho betonte bei der Vorstellung des Buches, dass Maria Hausers Texte nicht nur erschüttern, sondern auch zu neuem Denken beitragen. Ihr Buch über die homosexuell Liebenden half nicht wenigen Lesern ihre schwulen und lesbischen Kinder anzunehmen. Auffallend in den Werken Hausers ist die Naturnähe. In ihrem jüngsten Buch gehört ein Baum zu den „handelnden Personen“: „Lange Zeit hat Valerie nicht gewusst, dass ihre Birke keine gewöhnliche Birke ist, bis sie eines Tages ganz dringend jemand brauchte, weil sie traurig war. Damals hatte sie sich hinter der Birke ganz klein gemacht und ihre Arme um sie gelegt. Da hatte die Birke gesagt, hier sieht’s keiner, wenn du weinst.“
Gott im Rascheln der Birke
Unaufdringlich, aber „unüberlesbar“ kommt in „Valeries Baum“ auch Gott zur Sprache: als Kraft, die tröstet und verzeiht. Das Gottesbild, das Maria Hauser auszeichnet, ist befreiend, eine Absage an jede Art des Fundamentalismus und deswegen glaubwürdig, so Schicho. „Valeries Baum“ ist eine einfache Geschichte, in einfacher Sprache – aber von großer Faszination.