Ein an Krebs erkrankter Mann (60) fragte mich einmal: „Was machen sie eigentlich als Krankenhausseelsorger?“ Ich antwortete ihm: „Zuhören.“ Der Patient schaute verblüfft und zeigte sich als kirchenferner Zeitgenosse interessiert darüber, was Seelsorge eigentlich sei. Im Gespräch erzählte ich, dass Seelsorge durch Kommunikation – durch Gespräche, durch Dasein bei einem Menschen … – helfen kann, einen lebendigen Kontakt zur Lebenskraft Gottes zu vermitteln. Mit ernstem Gesicht fragte er mich: „Und wie machen sie das? Ich gab ihm zur Antwort, das es nicht um ein „Machen“ gehe, sondern um das spürbare Berühren der Tiefen eigener Wirklichkeit.
Der Patient wurde still und schaute aus dem Fenster. Ich lehnte mich zurück. Eine Stille zog durch den Raum. Wir waren allein im Krankenzimmer. Dann begann er zu erzählen von seiner Kindheit, von Enttäuschungen, Fehlern und Schuldgefühlen und dem unerträglichen Gefühl des Alleinseins. Die Situation am Krankenbett wurde zunehmend emotional. Mit aggressivem Ton und wütender Miene brach aus ihm heraus, dass er sich von der Medizin, von Gott und der Welt verlassen fühle. Aus innerem Antrieb heraus legte ich meine Hand auf seinen Handrücken, schaute ihm in die Augen und sagte: „Ja, es ist furchtbar allein zu sein.“ Er weinte. Nach einer Zeit der Stille atmete der Patient einige Male tief durch und schaute mich mit glasigen Augen erleichtert an. Ich spürte diese Entspannung. Der Raum wurde heller.
Als Mensch und Seelsorger schöpfe ich aus der Zusage Gottes: „Fürchte dich nicht, ich bin bei dir“ (Jes 41, 10). Ich glaube, dass heilende Seelsorge dann geschehen kann, wenn ein Mensch in Krankheit und Verzweiflung spürbar erfährt, dass Unerträgliches und Unaussprechliches sein darf und er genau in diesem Moment nicht allein ist. Mag. Ludger Stenkamp, Krankenhausseelsorger, LKH-Salzburg