Pilgerreise auf des Apostels Spuren – Griechenland: erste heikle Station
Ausgabe: 2001/18, Griechenland, Reise, Papst Johannes Paul II., Malta, Kuneitra, UNO, Athen, Orthodoxie, Ökumene
02.05.2001
- Heinz Gstrein/Athen
Das orthodoxe Griechenland wartet mit einer Mischung aus Neugier, trotziger Ablehnung, aber auch ungeheuchelter Sympathie auf den Besuch von Johannes Paul II.
Mit seiner Staats- und Pastoralvisite auf den Spuren des Völkerapostels Paulus in Athen vom 4. und 5. Mai betritt Johannes Paul II. erstmals ein Kernland der Orthodoxie. Und Griechenland ist auch in seinem öffentlichen Leben ganz von dieser geprägt. Noch dazu mit einer orthodoxen Kirche, die in Sachen Ökumene noch ganz erheblichen Nachholbedarf hat. Ihr seit 1998 amtierender Erzbischof Christodoulos Paraskevaidis hatte daher lang allen Reisewünschen aus Rom die kalte Schulter gezeigt.
Tauziehen um Programm
Erst nach der offiziellen Einladung durch Griechenlands Präsidenten Kostis Stefanopoulos gab die orthodoxe Kirchenführung nach. Als Oberhirte einer Quasi-Staatskirche, deren Priester vom Staat bezahlt werden, konnte Christodoulos den päpstlichen Ehrengast der hellenischen Republik nicht länger brüskieren. Dazu kamen bald Überlegungen des ehrgeizigen Hierarchen, den Papstbesuch für seine eigene innerorthodoxe und internationale Aufwertung zu nutzen. Andererseits sollte der „Erbfeind der Orthodoxie“ aus dem Vatikan ja nicht das angeblich antikatholische Kirchenvolk reizen oder gar mit seiner sympathischen Ausstrahlung abspenstig machen. Als Folge all dieser Überlegungen gab es zwischen Griechenlands orthodoxer Kirche und mehrfach anreisenden römischen Delegationen ein wochenlanges Tauziehen um das genaue päpstliche Besuchsprogramm in Athen.
Katholiken unter sich
Das Ergebnis wird jetzt ein Papstbesuch fast unter Ausschluss der Öffentlichkeit sein. Die gerade von Griechenlands Katholiken gewünschte Großveranstaltung im Olympia-Stadion wurde in eine Basketballhalle verlegt, die knapp 18.000 Besucher fasst. Das ist nicht einmal ein Drittel der in der griechischen Hauptstadt lebenden polnischen Landsleute Karol Wojtylas. Die restliche Viertelmillion Katholiken – mit Philippinos, Ukrainern und Rumänen weit vor den wenigen bodenständigen katholischen Griechen an der Spitze – werden „ihren“ Papst nur am Fernsehschirm zu Gesicht bekommen. Orthodoxe Interessenten kommen überhaupt nicht zum Zug, da die strikt bemessenen „Eintrittskarten“ zur Papstmesse auf ausdrücklichen Wunsch von Erzbischof Christodoulos nur an Katholiken ausgegeben werden dürfen.
Kein Volkszorn gegen Rom
Die Stimmung in der breiten orthodoxen Bevölkerung ist nämlich für Johannes Paul II. viel freundlicher, als das manche Agitatoren um die eigens gegründete Anti-Papst-Zeitung „Tavtotita“ (Identität) glauben machen möchten. Gerade die Jugend hätte liebend gerne diese Gelegenheit wahrgenommen, um sich aus der Nähe ein persönliches Bild vom Papst zu machen, über den ihr im Religions- und Gechichtsunterricht so viel Ungutes berichtet worden war.
Erbfeind aus dem Vatikan
Wie andere Feindbilder vom bösen Türken oder Bulgaren wird den Schülerinnen und Schülern des modernen Griechenland seit dessen Gründung 1830 Generation für Generation das Vorurteil eingetrichtert, dass hauptsächlich die Päpste für alle Nöte der Griechen seit dem Mittelalter verantwortlich seien. Was sich Kreuzfahrer, Banden von Söldnern oder später venezianische Besatzer tatsächlich in Griechenland zu Schulden kommen ließen, wird den Päpsten persönlich angelastet. So bilden auch Fresken in den Athos-Klöstern den Papst als Anführer der berüchtigten „Katalanischen Kompanie“ ab, von der die Abteien des Heiligen Berges gebrandschatzt wurden. Von diesen und ähnlichen Vorurteilen werden auch jene fanatischen Konventikel aus Un- oder Halbgebildeten fehlgeleitet, die in Athen Ende April gegen den Papstbesuch demonstriert haben. Sie sind aber nicht mehr für die Mehrheit des heute recht aufgeschlossenen Griechentums repräsentativ.
Heimlicher Bewunderer
Doch leider dürfte nun eigentlich nur Erzbischof Christodoulos selbst Gelegenheit haben, sich ein persönliches Bild von Johannes Paul II. zu machen. Doch wird davon in Athen eine entscheidende Begegnung erwartet. Der Erzbischof hat selbst bei den griechischen Maristen-Patres studiert und gilt bei allem kirchenpolitischen Gegensatz als heimlicher Bewunderer vieler Leistungen der katholischen Kirche. Wenn Johannes Paul II. ihn für ein künftig brüderlicheres Verhältnis gewinnt, war seine Griechenlandreise nicht umsonst.
TERMINPLANER
4. Mai: Ankunft in Athen. Im Gedenken an Paulus pilgert der Papst auf den Areopag.
5. Mai: Nach der Messe in der griechischen Hauptstadt geht es weiter nach Syrien. Besuch bei Präsident Baschar Assad und anschließend ökumenische Begegnung.
6. Mai: Messe im Abassiden-Stadion von Damaskus. Am Abend betritt zum ersten Mal ein Papst den Innenraum einer Moschee und spricht dort zu islamischen Würdenträgern.
7. Mai: Johannes Paul II. pilgert zu den Paulus-Stätten von Damaskus. Danach Fahrt in die von der UNO verwalteten Stadt Kuneitra. Friedensgebet im Hauptort der von Israel besetzten Golan-Höhen. Am Abend trifft sich der Papst mit der Jugend.
8. Mai: Reise von Damaskus nach Malta.
9. Mai: Gottesdienst vor den Toren der Hauptstadt Valletta. Rückkehr nach Rom.