Als „Grundstein“ für künftige Fortschritte wird der Besuch von Johannes Paul II. in Athen gewertet. Und in Syrien betrat erstmals ein Papst einen muslimischen Gebetsraum.
Mit seinem 24-stündigen Besuch in Griechenland, der Hochburg einer selbstbewussten und nicht gerade Rom-freundlichen Orthodoxie, hat Johannes Paul II. mehr angestoßen, als man vor wenigen Wochen ahnen konnte. Und mit seinen kritischen Aussagen zu Kreuzzügen und Unierten ist er gleichsam auch über vatikanische Schatten gesprungen.Den ersten Besuch eines römischen Papstes seit 1300 Jahren hat Johannes Paul auf beeindruckende Weise bewältigt. Die Spaltung zwischen Ost- und Westkirche wird hier stärker empfunden als anderswo. Das Trauma des vierten Kreuzzugs 1204 mit der brutalen Stürmung Konstantinopels gilt bis heute als Inbegriff der Barbarei. In aller Offenheit (rechte Spalte) sprach der Papst die dunklen und schmerzhaften Themen der Vergangenheit an. Das Bewegende war, wie vor einem Jahr gegenüber den Juden in Israel, dass er die Bitte an der richtigen Stelle aussprach – vor den Nachfahren der Betroffenen.
Höhepunkt war dann der gemeinsame öffentliche Auftritt am Areopag. An der Stelle der Rede des Apostels Paulus demonstrierten das katholische Rom und das orthodoxe Athen Gemeinsamkeit. In einer Erklärung beschworen sie die Einheit Europas – auf der Grundlage seiner christlichen Tradition. In der syrischen Hauptstadt Damaskus setzte Johannes Paul eine weitere historische Initiative. Islam: Papst fördert DialogErstmals besuchte ein Papst einen muslimischen Gebetsraum. In der Omaijaden-Moschee rief Johannes Paul Christen und Moslems eindringlich zu gegenseitigem Respekt auf, aber auch zur Vergebung einander zugefügter Leiden. Wo und wann immer Muslime und Christen einander verletzt hätten, gelte es Vergebung bei Gott zu erflehen und einander zu verzeihen. Dialog und nicht Konflikt müsse das Verhältnis zwischen den beiden Religionen bestimmen, fügte der Papst hinzu. Niemals dürfe Religion Hass und Gewalt fördern oder rechtfertigen.Mit dem spektakulären Moscheebesuch – vergleichbar mit seinem Besuch einer Synagoge 1986 – will Johannes Paul dem Dialog zwischen Islam und katholischer Kirche einen neuen Anstoß geben. In seiner Ansprache verwies er auf Erfolge der letzten Jahrzehnte. Allerdings galt das christlich-islamische Gespräch bislang eher als Angelegenheit einiger Experten. Zu diesen Zirkeln müsse der „Dialog des Lebens“ hinzukommen, forderte nun der Papst: das friedliche und freundschaftliche Zusammenleben der Angehörigen beider Religionen.
Wörtlich:
Johannes Paul II. hat in Athen um Vergebung für „Sünden“ gebeten, die Katholiken gegenüber Orthodoxen begangen haben.
Besonders schmerzhaft
Der Papst sagte wörtlich:„Zuerst möchte ich Ihnen gegenüber die Zuneigung und die Wertschätzung der Kirche von Rom zum Ausdruck bringen. (. . .) Selbstverständlich leiden wir unter der Last vergangener und gegenwärtiger Kontroversen und immer noch herrschender Missverständnisse. Für vergangene und gegenwärtige Situationen, in denen Söhne und Töchter der katholischen Kirche durch Handlungen oder Unterlassungen gegen die orthodoxen Brüder und Schwestern gesündigt haben, bitten wir den Herrn um seine Vergebung.Einige Ereignisse in ferner Vergangenheit haben bis zum heutigen Tag tiefe Wunden in den Herzen der Menschen hinterlassen. Ich denke an die entsetzliche Zerstörung von Konstantinopel (1204), das so lange Zeit die Bastion des Christentums im Osten war. Es ist tragisch, dass die Angreifer, die eigentlich den freien Zugang der Christen zum Heiligen Land sichern sollten, sich gegen ihre eigenen Brüder im Glauben gestellt haben. (. . .) Gott allein ist Richter, und deshalb vertrauen wir die schwere Bürde der Vergangenheit seiner unendlichen Barmherzigkeit an. Wir bitten ihn eindringlich, die Wunden zu heilen, an denen der Geist des griechischen Volkes noch immer leidet. Gemeinsam müssen wir für diese Versöhnung arbeiten, wenn das derzeit entstehende Europa seiner Identität treu bleiben will, die untrennbar mit dem christlichen Humanismus verbunden ist, zu dem sich Ost und West gemeinsam bekennen.“