Es ist viel mehr als doppelt so viele Betten zu beziehen ...
Ausgabe: 2001/19, Kinder, Bauernhof, Landwirtschaft, Maria Watzinger, Zwillinge,
08.05.2001
- Maria Haunschmidt
Der Wunsch nach einer großen Familie erfüllte sich für Maria Watzinger, Erbin des elterlichen Bauernhofes.
Als Einzelkind hatte die Mühlviertlerin aus Neumarkt immer darunter gelitten, keine Ge- schwister zu haben. Mit zweimal Zwillingen bekam sie insgesamt sechs Kinder. „Kann man es in der heutigen Zeit verantworten so viele Kinder zu haben? Widme ich jedem Einzelnen noch die notwendige Aufmerksamkeit?“, formulierte sie ihre mütterliche Sorge und persönlichen Zweifel auch bei einer Rednerschulung der oö. Bauern-Akademie. Gut findet die 37-jährige Mutter, Frau eines HAK-Professors, dass sie als Bäuerin rund um die Uhr bei den Kindern, 13, 11, 9, 9, 5, 5, daheim sein kann. Die Kinder wachsen zudem in einer ländlich-paradiesischen Umgebung auf – mit Hasen, Katzen, Kühen und Pferd Nussi.
Freiraum ist notwendig
Die Nebenerwerbslandwirtin hat aber Verständnis, dass andere Frauen außer Haus arbeiten gehen, schon wegen der sozialen Kontakte. Mit sechs Kindern in einer Wohnung zu leben, das wäre für sie schwer vorstellbar. Die gelernte Landwirtschaftsmeisterin fühlt sich für die Tretmühle des Alltags in Haus und Hof zuständig. Die landwirtschaftliche Arbeit stärkt Maria Watzingers Selbstbewusstsein. Von ihrem Mann Karl wird sie tatkräftig unterstützt, wenn es sein Beruf zulässt. Er greift auch im Haushalt zu und ist so den vier Buben ein gutes Vorbild. Auch die Kinder übernehmen manchen Handgriff und die Größeren schauen auf die Kleineren. Etwa dreimal pro Woche helfen die vier Älteren abwechselnd im Stall. Dafür haben die Kinder eine genaue Stricherl-Liste erstellt. Den anfänglichen Perfektions- und Ordnungsanspruch hat die junge Mutter etwas zurückgeschraubt: Als nach Severin (13) und Florian (11) die Zwillinge Magdalena und Lukas kamen, erkannte sie, dass es Wichtigeres als die Arbeit gibt und ließ auch einmal alles liegen und stehen zugunsten der Kinder. Bei den jüngeren Zwillingen, dem jetzt fünf-jährigen Pärchen Judith und Matthäus merkte sie auch, dass sie begrenzte Kräfte hat. „Man muss sich auch helfen lassen können!“, resümiert sie. Ihre Eltern unterstützen sie tatkräftig.
Arbeit gibt es genug. „Wenn ich vier Betten überzogen habe, sind andere Hausfrauen schon fertig, aber ich bin erst bei der Hälfte!“ sagt sie. „Bei aller Liebe als Mutter: Es wäre nicht gut, sich ganz aufzugeben“, ist sie überzeugt. Ihr persönliches Stück Freiheit ist die Musik. Gern ist sie beim Kirchenchor und bei einem weiteren Ensemble sowie beim „Leich-Singen“.Sie trägt den Kindern nicht alles nach, erzieht sie zur Selbstständigkeit. Auch Solidarität mit anderen und Kritikfähigkeit findet sie wichtig und legt großen Wert darauf, den Kindern Heimat im Glauben zu geben. Dem einstigen Einzelkind zeigen die eigenen Kinder oft, dass es nicht immer nach ihrem Kopf gehen kann. In der Erziehung kann sie durchaus streng und konsequent sein, zum Beispiel in puncto Fernsehen: „Wir haben es hier so schön. Da sehe ich nicht ein, dass die Kinder schon tagsüber beim Fernseher sitzen!“ Die quälendste Frage ist oft: Kommt das einzelne Kind auch nicht zu kurz? Sie erläutert dies an einem Beispiel: Die vier älteren Kinder lernen Instrumente. Oft verspricht sie: „Heute abend höre ich dir zu beim Spielen!“... und hat dann ein schlechtes Gewissen, weil wieder einmal keine Zeit blieb.
Reaktionen der Umgebung
Dem Ehepaar ist als Tapetenwechsel einmal im Jahr ein gemeinsamer Familienurlaub wichtig, zum Beispiel eine Familienwoche im Bildungshaus Schloss Puchberg. Einmal waren alle in Italien. Das ist es ihnen wert, auch wenn man für das Stallgehen jemand verzahlen muss. „Wie schaffen sie das bloß?“, fragen viele. Bei Stadtbesuchen verdrehen die Leute oft den Kopf und zählen die Kinder. Auch hörte sie schon: Ihr braucht ja schon eine ganze Kirchenbank. Oder gar: Die können ja schon von der Kinderbeihilfe leben!