Ein Patient erzählte mir: „Seit vor drei Monaten unser Sohn verstorben ist, kann man mit meiner Frau nicht mehr reden. Sie weint nur noch.“Da ist eine Frau, die sehr Schweres zu tragen hat. Ich kann den Schmerz dieser Frau nachempfinden. Wenn ich einen geliebten Menschen verliere, bricht die Welt zusammen. Wenn mir das Liebste, was ich habe, entrissen wird, werden Himmel und Erde in ihren Grundfesten erschüttert. Ich bin irre an der Welt. Ich bin irre an Gott. Ein unaussprechlicher Schmerz erschüttert mich in meinem Innersten. So viel Leben von mir hat der geliebte Mensch in den Tod mitgenommen. Nach ihm sehne ich mich.Da gibt es nur eines: Weinen, heulen, schreien, irgendwie meinen Schmerz zum Ausdruck bringen. Ich will weinen; ich will heulen und schreien. „Ich bin erschöpft vom Seufzen, jede Nacht benetzen Ströme von Tränen mein Bett“, heißt es im Psalm 6. Ich will nicht getröstet werden. Ich will keine Hoffnung schöpfen. Zu kostbar ist der Verlust. Ich will mit meiner Traurigkeit und mit meiner Verzweiflung ernst genommen werden. Ich will mit meiner ganzen Kraft meinen Verlust betrauern, denn in der Trauer lebt die Liebe weiter.Meine Trauer hat verschiedene Gesichter: verstummen, versteinern, weinen, schreien, klagen und anklagen, beschuldigen, Wut, Zorn und Aggression. In meiner Trauer gehe ich Wege der Dunkelheit und Einsamkeit, Wege der Verzweiflung und der Ausweglosigkeit. Immer wieder muss ich diese Wege gehen, in vielen Windungen.Und ich rufe: „Wie lange noch, Gott, vergisst du mich ganz? Wie lange noch verbirgst du dein Gesicht vor mir? Wie lange noch muss ich Schmerzen ertragen in meiner Seele, in meinem Herzen Kummer Tag für Tag?“ (Ps 13, 2–3).