Die Linzer Theologische Fakultät ist die erste Privatuniversität Österreichs. In Kirche und in der Gesellschaft will sie sich deutlich zu Wort melden.
Forschungsaufträge im Wert von einer Million Schilling. Das offizielle Geschenk des Landes Oberösterreich zum Festakt der Errichtung zu Österreichs erster Privatuniversität ist mehr als ein Symbol: Das Land nimmt die Arbeit der Linzer Theologen wichtig. Landeshauptmann Pühringer forderte die Theologen auf, sich in den wichtigen Fragen in der modernen Gesellschaft zu Wort zu melden – in der laufenden Diskussion zu Sterbehilfe etwa. Rektor Dr. Severin Lederhilger kündigt das Interesse der Universität genau an diesem öffentlichen Dialog auch an. Die Theologische Universität Linz versteht sich als „geisteswissenschaftlicher Dialogpartner“, der „umfassend den Menschen im Land dienen will“.
Eine Auszeichnung für Linz
Die Linzer Theologische Universität ist die erste, die nach dem neuen Privatuniversitätengesetz in Österreich diesen Status zugesprochen bekam. Der Linzer Bürgermeister Franz Dobusch versteht die Erhebung zur Universität als „eine echte Auszeichnung für Linz“, das damit innerhalb von drei Jahrzehnten drei vollwertige Universitäten bekommen hat. Eng wollen die theologischen Disziplinen mit der Kunstuniversität und der Johannes-Kepler-Universität zusammenarbeiten. „Hausherr“ Bischof Maximilian Aichern hebt genau dieses Miteinander hervor. Er erwartet sich von der Theologischen Universität Impulse für die ganze Diözese.
Zur Erhebungsfeier war der Präfekt der Kongregation für das Katholische Bildungswesen im Vatikan, Zenon Kardinal Grocholewski, nach Linz gekommen. Er ist „Chef“ von rund 980 katholischen Privatuniversitäten weltweit. Erfreut und erstaunt zeigte er sich im Gespräch mit der Kirchenzeitung über die breite Anerkennung, die die neue Katholische Universität auch von der kulturellen und politischen Seite im Land genießt. Sie könne Vorbild für die vier anderen staatlich anerkannten Fakultäten in Österreich sein – Innsbruck, Salzburg, Graz und Wien.
Aufgrund der Selbstverwaltung an den staatlichen Universitäten geraten gerade geisteswissenschaftliche Disziplinen in akute finanzielle Bedrängnis – weil das Geld eher in die wirtschaftsorientierten und medizinischen Wissenschaften gesteckt wird. Vor dieser Entwicklung warnte Bundespräsident Dr. Thomas Klestil in einer Glückwunsch-Botschaft.
Das Einstiegsgeschenk des Landes von einer Million zeigt hier in eine andere Richtung: Kirche, Wissenschaft und Politik haben eine neue Nahtstelle in Oberösterreich bekommen. „Ein geisteswissenschaftliches Zentrum für Oberösterreich“ erwartet sich Landeshauptmann Pühringer von der neuen Privat-universität. Gerade in einer Gesellschaft des Wandels brauche es einen funktionierenden Wertekompass. Theologie kommt aus der Glaubensgemeinschaft der Kirche und dient ihr, nennt Studiendekan Dr. Christoph Niemand als Festredner eine der Aufgaben der Theologie. Doch Theologie nütze auch dem Staat, der deshalb „wünschen und fördern“ müsse, dass es Theologie gibt. Das würde letztlich dem Frieden dienen.
Symbolträchtige Gaben
Von Mitgliedern des Professorenkollegiums hat die Theologische Universität zwei symbolträchtige Gaben bekommen. Prof. Franz Hubmann hat eine wertvolle hebräische Schriftrolle zum Buch Esther aus dem vorderen Orient gestiftet, um auf die jüdische Wurzel der christlichen Theologie zu verweisen. Prof. Hanjo Sauer hat der Universität eine Luther-Bibelübersetzung mit kostbaren Bildern geschenkt. Die Lutherbibel in der Katholischen Universität soll mahnen, dass die Unterschiedlichkeit christlicher Existenz nicht zum Anlass für Verachtung genommen werden darf, sondern dass umgekehrt die Einheit in ihr zu finden ist.