Gilbert Rosenkranz ist Pressereferent der Diözese Innsbruck und verheiratet. Er mag Zither spielen, lesen und in der Natur sein – ob im Garten oder in den Bergen.
Das Kloster liegt abgeschieden mitten im Atlasgebirge. In der unendlichen Wüstenlandschaft Algeriens haben Trappisten 1923 das Kloster „Unsere Liebe Frau vom Atlas“ gegründet. Die Mönche leben in großer Armut und teilen das Leben der Bevölkerung. Gemeinsam mit ihnen betreiben sie eine Honigproduktion. Als islamische Fundamentalisten das Land mit einem Teppich der Gewalt überziehen, rücken die christlichen Mönche und die islamische Bevölkerung noch enger zusammen. Militärischen Schutz für das Kloster lehnen die Mönche ab: „Welchen Sinn hätte es für uns, durch Waffen geschützt zu werden, wenn unsere muslimischen Brüder aus der Umgebung getötet werden“, sagen sie.
Ende Mai 1996 bewahrheiten sich die schlimmsten Befürchtungen. Terroristen überfallen das Kloster und töten sieben Trappisten. Für wenige Tage richtet sich die internationale Aufmerksamkeit auf eine kleine Gemeinschaft in der Wüste, die sich bewusst für ein Leben unter Moslems entscheidet. Einer der Mönche, P. Christian-Marie de Chergé, erklärt, weshalb er der Gewalt nicht weichen und Algerien trotz mehrfacher Aufforderung nicht verlassen will. „Es wird immer Gottes heimliche Freude sein, Gemeinschaft zu schaffen … Ich danke Gott, dass er allem zum Trotz dieses verlorene Leben, das ganz mir und ganz Euch gehört, ganz für diese Freude zu wollen scheint“, schreibt er in seinem geistlichen Testament.
Alle sollen eins sein“ (Joh 17, 21), betet Jesus. Die Mönche aus der Wüste haben sich auf die Erfüllung dieser Bitte eingelassen. Im Zusammenleben mit den Menschen vor Ort lernen sie Einheit in Verschiedenheit. „In dem Islam, den ich gesehen und erfahren habe, habe ich oft den geraden Weg des Evangeliums gefunden“, schreibt P. Christian und nimmt den Islam vor ungerechtfertigten Angriffen in Schutz. Und seine Liebe für die Andersgläubigen geht weiter. Er verbindet die Hoffnung auf ein Leben nach dem Tod mit dem Wunsch, sein Auge „in das Auge unseres Vaters zu versenken, um mit ihm seine Kinder aus dem Islam schauen zu dürfen, wie Er sie sieht“.Das geistliche Testament des Mönchs ist für mich ein eindrucksvolles Dokument brennender Sehnsucht nach Einheit.
Er will den anderen Menschen so sehen wie Gott ihn gemeint hat. Er stellt seinen Glauben an Einheit mitten in die Zerrissenheit eines Landes. Er kämpft für diese Einheit bis zum Äußersten. Überall sucht Gott Menschen, die seine heimliche Freude teilen: Einheit zu stiften. Denn überall tun sich Spaltungen und Zerrissenheit auf – zwischen den Kirchen, zwischen Glauben und Leben, zwischen Ehe- und Lebenspartnern.