„Die Armen mit ihrem festen Glauben stärken mein Vertrauen auf Gott“, erzählt Christian Mayr. Der Linzer Diözesanpriester ist Pfarrer in Brasilien.
Nach vier Kaplansjahren in Wels zog es Christian Mayr in die Diözese Barreiras zu dem Kremsmünsterer Benediktiner-Pater Bischof Richard Weberberger. Seit Februar 1996 leitet der Ennser Priester die Pfarre St. Sebastian, eine der fünf Pfarren in der Diözesanhauptstadt Barreiras.
Überfüllte Kirchen
Rund 20.000 Menschen leben in St. Sebastian, genau könne man das nicht sagen, so Mayr. Die Kirchen seien jedenfalls immer voll. Als er die Pfarrkirche mit 180 Plätzen um 100 Sitzplätze vergrößerte, dauerte es nicht lange, bis das Gotteshaus wieder aus allen Nähten platzte. Daher hat er sich als nächstes Bauprojekt die Erweiterung der Kirche St. Peter vorgenommen, die ebenfalls zu seiner Pfarre gehört.
„Die Menschen in Brasilien haben einen großen Glaubenshunger. Wichtig ist aber, den Glauben der Menschen zu vertiefen“, meint der Pfarrer aus Oberösterreich. Besonders fasziniert ihn am Dienst im Barreiras die spürbare Nähe zur Situation der Bibel: So ist ein Katechist von St. Sebastian leprakrank, und an König Herodes erinnert häufig das Handeln der Politiker im Land. Im Unterschied zu den Politikern hat die Kirche einen ausgezeichneten Ruf bei den Leuten. Daher klopfen laufend Menschen an die Pfarrhoftür von St. Sebastian: Kinder bitten um Geld für Medikamente, weil sie Würmer haben, Arme betteln um ein Stück Brot. Arbeitssuchende haben oft hunderte Kilometer zurückgelegt, um nach Barreiras in die Hauptstadt des Sojaanbaus zu kommen. Weil die Pfarre St. Sebastian in der Nähe des Busbahnhofs der 100.000 Einwohner zählenden Stadt Barreiras liegt, haben Pfarrer Mayr und die Diözese vor einem Jahr eine Herberge gegründet.
Die Menschen stärken
Das Haus nimmt Männer und manchmal ganze Familien auf, die von Missernten in ihren Dörfern enttäuscht in der Stadt Arbeit suchen. Was die Menschen nicht wissen: Auf den riesigen Sojafeldern um Barreiras sind hauptsächlich Maschinen im Einsatz. Barreiras liegt auch an der Strecke zwischen dem armen Norden und dem industriereichen Süden. An die 500 Menschen standen im ersten Jahr der Herberge St. Josef mit nichts als den Kleidern am Leib vor der Tür. Sie bekamen dort Essen und Unterkunft.Tagsüber müssen die Gäste das Haus zur Arbeitssuche oder zur Organisation der Weiterreise verlassen. Sie können längstens sieben Tage bleiben, dann müssen sie weiterziehen. Pfarrer Mayr: „Wir können nicht die Probleme der Menschen lösen und ihnen auch keine Arbeit geben, die Kirche möchte ihnen aber Stärkung am Weg sein.“