Von Konkurrenz zu sprechen, wird vermieden. Doch zwei getrennte Jugendtreffen machen deutlich, wie notwendig der „Dialog X“ ist.
Während am Pfingstsonntag mehr als 1500 junge Menschen in Innsbruck ihren gemeinsamen Abend mit einem ökumenischen Gottesdienst starten, werden zeitgleich Hunderte Jugendliche in Salzburg mit Fackeln und Fahnen zum „Marsch für Jesus“ aufbrechen. Denn in der Mozartstadt organisiert der „Loretto Gebetskreis“ das „2. Fest der Jugend“, dessen prominentester Referent der Salzburger Erzbischof Georg Eder ist. „bleibt alles anders“ heißt in Innsbruck das Motto. Die Jugendbegegnung, alle fünf Jahre von der Katholischen Jugend Österreichs (KJÖ) veranstaltet, wird heuer erstmals von mehreren Gruppen getragen: mit dabei die Fokolar-Bewegung und die Evangelische Jugend Österreichs.„Schade, dass es nicht gelungen ist, eine große Jugendveranstaltung auf die Beine zu stellen“, sagt Franz Herz. Der Bundesjugendseelsorger lehnt es jedoch ab, von einer echten Konkurrenz der pfingstlichen Jugendtreffen zu sprechen. Denn „beide Pole, der stärker spirituelle und der gesellschaftspolitisch engagierte, machen das Christsein aus. Beides an einem Ort zu verbinden, wäre dennoch besser“, ist Herz überzeugt. Doch bis es so weit ist, müssen die Veranstalter mit jener Konkurrenz leben, die sich in Zahlen ausdrückt. Aus Salzburg werden gerade 14 Personen bei „bleibt alles anders“ erwartet, knapp 500 kommen alleine aus Oberösterreich.
Vorbehalte
Eine gemeinsame Jugendbegegnung wäre möglich, „gäbe es die entsprechende Wertschätzung“, analysiert Jugendseelsorger Herz. „Doch ich merke, dass hier noch vieles mit Vorbehalten besetzt ist. Es macht deutlich, wie notwendig der ,Dialog X‘ ist.“ Seit knapp zwei Jahren läuft nun österreichweit dieser Gesprächsvorgang. Dabei wollen „alte“ Jugendorganisationen und „neue“ Bewegungen, Gemeinschaften und Gebetsgruppen gleichsam in einer innerkatholischen Ökumene Vorbehalte abbauen und Berührungsängste überwinden. Die Jugendbegegnung in Innsbruck ist nun dessen erstes Projekt. Dass sich erst zwei „Dialog X“-Partner (KJÖ und Fokolare) daran beteiligen, liegt auch an der mehrjährigen Vorbereitung für „bleibt alles anders“. Als sich die KJÖ im Herbst 1998 dafür entschied, war der „Dialog X“ noch nicht spruchreif.
Meilenstein
„Für uns war die Zeit reif für den Versuch, uns in die Vorbereitung der Jugendbegegnung 2001 einzubringen“, sagt Elisabeth Reichel. Als Mitglied der Fokolar-Bewegung hat die Fachärztin für Psychiatrie in Innsbruck intensiv mit vorbereitet. „Für mich ist das jetzt ein Meilenstein, denn eine so große Veranstaltung legt Gleise in die Zukunft. Und als Bewegung haben wir uns engagiert, weil es unser Ziel ist, alles zu unterstützen, was zur Einheit in der Kirche beiträgt.“ Auf einen fahrenden Zug aufgesprungen zu sein, dieses Gefühl hat Elisabeth Reichel nicht gehabt. „Aufeinander zugehen, den anderen respektieren und verstehen lernen, das muss man in der kirchlichen Jugendarbeit in Österreich erleben. In diesem Sinn war die Vorbereitung der Jugendbegegnung ein gemeinsamer Weg.“ Dass es zu Pfingsten 2001 zwei Jugendtreffs gibt, werden auch die Fokolare spüren. Für Innsbruck haben sich 100 angemeldet. Wie viele nach Salzburg fahren, steht noch nicht fest.
40 Namen umfasst bisher die Liste der Gruppen, mit denen Robert Schmalzbauer in Kontakt steht, von „Agnus Dei“ bis „YOU! Magazin“. Seit 1. Jänner 2001 baut er die „Koordinationsstelle Jugend für neue Gemeinschaften, Bewegungen und Gebetsgruppen“ in Österreich auf. Dass die Bischofskonferenz für seine Anstellung (20 Wochenstunden) Geld bereitstellt, kommentiert der Diplomingenieur für Telematik und Wirtschaft: „Damit wird einem neuen Leben, das in der Kirche da ist, Rechnung getragen.“ Jeden Mittwoch (13.00– 16.00) ist Robert Schmalzbauer in der Bundesjugendstelle anzutreffen, denn offiziell ist er Teil des katholischen Jugendwerkes. Eine Regelung, die alle Seiten als positiv bezeichnen. Denn vor einem Jahr war er schon einmal von der Bischofskonferenz angestellt: 13 Gruppen hatten sich zur Vorbereitung auf das Weltjugendtreffen zu „Roma mia“ zusammengeschlossen und ihn als Koordinator vorgeschlagen. Die Vorgangsweise hatte zu Irritationen geführt: Hintergrund waren Befürchtungen, damit könne eine Parallelstruktur innerhalb der Jugendarbeit aufgebaut werden, die zur Demontage der Katholischen Jugend führt. In seiner Aufgabe sieht der dreifache Familienvater hingegen eine Chance: „Meine Stelle kann zwischen den Erzrivalen vermitteln und sie beginnen miteinander zu reden.“