„Event, Event, und alles rennt“ lautete das Motto für eine Enquete im Linzer Ursulinenhof. Die Veranstaltung war selbst beinahe ein Event.
Eine Band spielt eine Art Tusch, übersetzt in Rock-Musik, ein Film wird präsentiert. Die Besucher/innen sollten gleich spüren, was Thema war bei der Enquete am 18. Mai im Ursulinenhof: „Event, Event, und alles rennt“. Die Fragen des Abends: Was ist ein Event und warum ist es bei Jugendlichen so beliebt?
Für jeden etwas anderes
Jugendliche erzählten im Film, warum sie welche Events besuchen. Es gibt viele Begründungen: Viele Leute, gute Stimmung, es ist etwas los, Spaß, Abwechslung. Ein „Event“ ist dabei für jede/n etwas anderes: ein Fußballspiel, ein Festl, Clubbings, das Donauinselfest in Wien oder „Kitzbühel“.Rund hundert Teilnehmer/innen haben trotz wunderschönem Frühsommer-Wetter den Ursulinenhof besucht. Die Enquete war eine Veranstaltung der City-Pastoral der Diözese Linz in Zusammenarbeit mit dem Land Ober-österreich (Familien- und Jugend-referat) und der Katholischen Jugend Oberösterreich.
Erlebnisgesellschaft
Für Landesrat Walter Aichinger ist die Beliebtheit von Events Ausdruck einer Erlebnisgesellschaft. Das treffe auch ihn als Politiker. „Der Bürger ist nicht mehr Stammkunde oder -wähler. Gewählt wird nach dem persönlichen Befinden und der Stimmungslage.“Für Jugendforscher Manfred Zentner aus Wien sind Events „Gesamtkunstwerke“. Zielgruppe seien eindeutig die Jugendlichen. Events seien für viele Unternehmen Bestandteil von Marketing. Den Besucherinnen und Besuchern soll etwas angeboten werden, sie sollen über eine Marke informiert und für sie interessiert werden. „Jugendliche wissen, dass sie von vielen umworben und angesprochen werden“, sagt Zentner.
Merkmale eines Events
Der Jugendforscher formulierte die drei wesentlichen Merkmale, die eine große Veranstaltung zu einem Event machen: „Ein Event ist eine Veranstaltung, die etwas Besonderes ist“, diese Veranstaltung ist „Gemeinschaft oder Szenebildend“ und sie ist „geplant“. Ein „Gesamtkunstwerk“ sei ein Event deshalb, weil alle Sinne angesprochen werden. „Ort, Zeit, die Musik, die Leute, die dort sind, das alles muss zusammenpassen,“ erklärt Manfred Zentner. Seiner Ansicht nach sind Sport-Events zur Zeit sehr wichtig für die Jugendlichen. Das beliebteste Winter-Event sei zum Beispiel das „Air & Style“ in Tirol, eine riesige Veranstaltung rund ums Snow-boarden, bei der vor eineinhalb Jahren durch eine Massenpanik Menschen getötet worden sind.Der Trend geht laut Zentner aber wieder ins Private – „weg von den Mega-Veranstaltungen hin zu privat organisierten Festen“.
Markenschwindel
Aus seiner Praxis als Musikmanager im Posthof, wo er auch Events organisiert, erzählte Werner Ponesch. Er weiß, dass „Spaß haben“ für Jugendliche bei einer Veranstaltung im Vordergrund steht. Jugendliche würden merken, wenn der Name „Event“ als „Markenschwindel“ benutzt wird. Zum Beispiel, wenn ein Zeltfest als „Firedance-Event“ bezeichnet wird. Besonders schlimm findet Ponesch, dass Events oft als riesige Drogenpartys dargestellt werden.Für Ilse Kögler von der Katholisch-Theologischen Privatuniversität Linz sind Events Ausdruck einer Weltanschauung. Als „Sinn-Surfer“ wollen sich Jugendliche nur oberflächlich auseinander setzen. Es muss deshalb etwas los sein. „Es muss etwas passieren, auch mit einem selbst“, sagt Kögler. Gudrun Rathmayr von der Burg Altpernstein der Diözese Linz sieht Gemeinsamkeiten und Unterschiede bei Events und den Veranstaltungen der Katholischen Jugend: „Natürlich wollen Jugendliche auch bei uns Spaß haben, Leute treffen und abschalten.“ Der Unterschied liege in der Nachbereitung. „Nicht nur der Kick ist wichtig, sondern was er auslöst,“ sagt Rathmayr und: „Uns ist nicht nur wichtig, wie viele Menschen kommen, sondern auch wer diese Menschen sind.“