Durch meinen Großvater, der in der Karwoche 1976 Patient der Lungenabteilung war, kam ich mit der Krankenhausseelsorge in Kontakt. Seither bin ich dort als ehrenamtliche Mitarbeiterin integriert. Schon zu Beginn meiner Ausbildung zur diplomierten Gesundheits- und Krankenschwester merkte ich, wie Psychologie und Theologie mein Tun beeinflussen und ergänzen: der Mensch als Körper-Seele-Geist-Ganzheit.Die Hände, meine Hände und das Tun damit, sind ein wesentlicher Aspekt meiner Arbeit am Krankenbett. Zudem spüre ich in vielen Momenten eine Hand, die mich hält. Wenn ich mir das bewusst mache, lassen sich auch schwierige Tage und Aufgaben leichter bewältigen.Der erste Kontakt zu Patienten dreht sich fast ausschließlich um ihre Krankheit, Untersuchungen, Operation …Beim pflegerischen Erstgespräch, das wir an unserer Abteilung mit jedem Patienten führen, sind das Religionsbekenntnis und Wünsche nach seelsorglicher Betreuung ein Punkt. Dadurch erhalte ich erste Anhaltspunkte über deren Sorgen, Ängste und Zukunftsperspektiven. Im Laufe der Zeit ergeben sich manchmal interessante Begebenheiten. Eine junge Patientin hatte die Bilder und das Kreuz durch Seidentücher ersetzt. Als sie mein Erstaunen bemerkte, sagte sie, die bunten Tücher seien ihrer Genesung zuträglicher. Oder eine ältere Frau, die wochenlang kleinere und größere Eingriffe über sich ergehen lassen musste. Sie hörte schlecht, sah kaum, strahlte aber eine große Ruhe, Zuversicht und Fröhlichkeit aus. Jedem Angebot über Sakramentenempfang oder seelsorglichem Gespräch wich sie aus bzw. lehnte sie wörtlich ab.Manchmal kommt es vor, dass sich Patienten nicht trauen, ihre religiöse Einstellung zu sagen. Aus Angst vor Mitpatienten oder vor uns? Der Gottesdienstbesuch wird dann zum „Spaziergang“ …Mir persönlich tut es gut, mein Leben in einem größeren Zusammenhang zu sehen. Dort, wo es auf Fragen keine Antwort geben muss, wo nicht alles geheilt wird und dennoch sein darf und gehalten ist. Hände, meine Hände, die Türen öffnen zum Patienten, behutsam, damit ich nicht mir der Tür ins Haus falle und der Patient seine Türen nicht vor mir geschlossen hält, die Tür seines Körpers, die Tür seiner Seele, die Tür seines Geistes.