Vor allem am Land gilt Alkoholkonsum als Kavaliersdelikt. Das Leid trifft die Angehörigen daheim.
Den Krankenschwestern des Bezirkskrankenhauses „stinkt“ es wieder einmal. Alkohol-Akutfälle wurden eingeliefert, nicht mehr Herr ihrer Sinne. Alles vollgeschmiert mit Erbrochenem. Wer trinkt, betrinkt sich nicht nur für sich selber. Andere müssen es aushalten. Und das kann bitter sein. Edeltraud (Name von der Redaktion geändert) hat sich beim ersten Besuch der Krankenseelsorgerin nichts anmerken lassen. Wegen akuter Rückenschmerzen ist sie schon wiederholt eingeliefert worden, doch die Ärzte fanden keinen organischen Grund. Edeltraud wird von vielen beneidet. Einen solchen Mann zu haben, da darf man sich glücklich schätzen. Immer gut aufgelegt, höflich, gesellig. Aber daheim!
Daheim ist er ganz anders
Es dauert mehrere Besuche der Krankenseelsorgerin, da bricht die ganze Not aus der Frau heraus. In Wirklichkeit ist ihr Mann Alkoholiker. In der Öffentlichkeit versteht er die Tatsache geschickt zu verbergen. Unauffällig sucht er jede Möglichkeit, irgendwo etwas zu erwischen. Und es sind harte Sachen!
Daheim allerdings kennt er keine Hemmung. Er ist grob und er redet nicht, vor allem nicht über die Dinge, die seine Frau bewegen. Mehr als einmal hat er seinen Frust mit Schlägen an ihr ausgelassen. Sie hat keine Kraft mehr, vor allem nicht, um gegen das ganze Leid eine Strategie zu finden. Sie wehrt sich nicht, sie schützt ihren Mann sogar noch, damit das Bild in der Öffentlichkeit nicht angekratzt wird.Vor allem am Land gilt Trinken als Kavaliersdelikt. Man muss schließlich mithalten können! Und wer nichts verträgt, der ist kein Mann, lautet am Wirtshaustisch die ungeschriebene Regel. Die Tragödien allerdings spielen sich anschließend zu Hause ab.
Den Mut aufzubringen, einem ohnehin schon Beschwipsten das Glas nicht mehr ein letztes und wieder ein letztes Mal nachzuschenken, wäre ein erster Schritt. Am Land gibt es immer noch Frauen, die keinen Führerschein haben. So finden sie auch nicht den Weg zu einer Selbsthilfegruppe anonymer Alkoholiker und ihrer Angehörigen. Im eigenen Ort darüber zu reden ist noch schwerer. Die Sozialhilfeverbände in den Bezirken, aber auch die Beratungsstellen der Caritas können beim Weg aus der Krise helfen.
Zur Sache:
Entspannen ohne Alkohol
Viele werden zu Alkoholikern, weil sie Entspannung suchen. Alkohol wirkt zunächst. Er dämpft die Erregbarkeit von Nervenzellen. Er vermindert damit aber die Leistungsfähigkeit. Mit der Gewöhnung an Alkohol sinkt dann die Fähigkeit, mit Belastungen umzugehen. Die Gefahr der Abhängigkeit wächst, die Nervosität wird jetzt nicht mehr gedämpft, sondern gesteigert. Andere Formen der Entspannung sind daher besser: Eine der wirksamsten: Bewegung und Sport. Damit lässt sich Stress abbauen. Sport mit Maß, aber mit Spaß. So ist es am besten. Alkohol hilft auch nicht wirklich beim Einschlafen. Doch wird dabei die Traumphase unterdrückt. Besser sind Entspannungstechniken, um kritische Phasen zu überstehen: einen ruhigen Raum aufsuchen. Es gibt spezielle Entspannungsmusik, die helfen kann.
Angehörige leiden unter dem Alkoholismus eines Familienmitglieds. Sie können aber auch die wichtigste Hilfe sein.
Als ersten Schritt rät Dr. Franz Aichinger von der Caritas-Beratungsstelle in Linz: Man sollte sich über das Wesen der Alkoholkrankheit informieren. So kann man falsche Erwartungen vermeiden und kompetent helfen.Wichtig ist, sich sodann positiv und verständnisvoll auf den kranken Partner einzustellen, ohne ihn ständig nach eigenen Vorstellungen ändern zu wollen.Die Angehörigen können Hilfe bei einer Beratungsstelle suchen.Dem Kranken ständig zu zeigen, dass man sich selbst für den besseren Menschen hält, hilft nicht. Drohungen, die man nicht ausführt oder gar nicht ausführen will, unterbleiben daher besser. Flaschen zu verstecken oder auszugießen, löst das Problem nicht, es steigert nur die Aggressivität. Ebenso wenig sollte man es dem Alkoholkranken abnehmen, die Schwierigkeiten, in die er geschlittert ist, für ihn aus dem Weg zu räumen. Aus Schulden zum Beispiel muss er sich selbst wieder herausarbeiten.Solange der Partner betrunken ist, spricht man die Probleme besser gar nicht an, es hilft nämlich nicht. Wenn ein Alkoholiker mit dem Trinken selbst aufhören will, kann man ihm dabei helfen. Allerdings: Mit einem hundertprozentigen Erfolg kann man nicht gleich rechnen. Wichtig dabei: Man muss auch bei sich selber konsequent sein.
Nach und nach gilt es dann, dem Partner mehr Verantwortung zuzumuten. Man kann ihn bei dem unterstützen, was er gerne macht, und ihm eine angenehme häusliche Atmosphäre schenken. Auch dann gilt: Man sollte versuchen, ihn in dieser Phase in eine Behandlung zu bringen, denn professionelle Hilfe bringt mehr Sicherheit.
Über die Beratungsstelle der Caritas finden Sie die geeigneten Hilfsadressen bei Alkoholproblemen: Linz, Hafnerstraße 28, 4020 Linz, Tel. 0732/7610-2331.