Beate Mayerhofer-Schöpf ist Theologin
und Referentin für Spiritualität im
Pastoralamt der Erzdiözese Wien
Eröffnet wurde das Festival „800 Jahre Franz von Assisi“ in Enns am 2. Oktober abends mit einem fulminanten Konzert in der Pfarrkirche St. Marien. Unter dem Titel „Cantico“ war im vollen Gotteshaus Musik aus aller Welt zu hören. Das Ehepaar Martina und Christian Wirth hatte gemeinsam mit dem Ennser Franziskaner-Pfarrer P. Alexander Puchberger ein Festival organisiert, das der Frage nachging, was uns der heilige Franziskus achthundert Jahre nach seinem Tod noch zu sagen hat oder pointierter: was er uns heute zumutet. Franziskus als Inspiration und Zumutung wurde dann am 3. Oktober im Rahmen des Symposiums „Future Franz“ aufgegriffen. Vier Referent:innen setzten Herausforderungen der gegenwärtigen Zeit mit der Botschaft von Franziskus in Beziehung. „Über Ungehorsam und Urvertrauen in der Klimakrise“ sprach Max Fuchslueger. Im Alter von 19 Jahren war er ab 2018 führender Aktivist der Klimabewegung und Mitbegründer von „Fridays for Future“. Heute studiert er Philosophie und Friedensforschung. Fuchslueger zeigte drei Schritte auf, die aus seiner Sicht zum Engagement für den Klimaschutz gehören: Der Weg führt von der Analyse der globalen Klimakrise über den zivilen Ungehorsam, der in der Regel von einer Gruppe getragen wird, bis hin zum Urvertrauen, das für die jeweils Einzelnen Quelle ihres Handelns bildet. Für alle drei Schritte ist für Fuchslueger Franziskus inspirierend: Sein Sonnengesang versteht Natur nicht als Ressource, sondern in geschwisterlicher Verbundenheit.
Weiters befinde sich Franziskus in ständiger Spannung von Gehorsam und Ungehorsam. Er kritisierte zwar nicht explizit die Kirche, lebte aber eine andere Praxis, was im Verständnis von Fuchslueger eine markante Form des zivilen Ungehorsams darstellt. Die Praxis von Franziskus sei in seiner spirituellen Lebensform verwurzelt, die in einer radikalen Armut ihren Angelpunkt hat. In der Armut des Franziskus, „die zu einer Entgegenständlichung führt“ und zur Quelle für seine Gottesbeziehung wird, sieht Fuchslueger die Kernbotschaft des Heiligen. Er bewundere das Netzwerk des Franziskus, das er mit seiner Brüdergemeinschaft geschaffen hat, und seinen Mut – beides Eigenschaften für eine heute notwendige spirituelle Transformation. Die Theologiestudentin Marlies Prinz sprach über das Verhältnis von Franziskus und Klara von Assisi aus Genderperspektive, die Unternehmensberaterin Renate Hagmann über die Gemeinwohl-Ökonomie und Umweltlandesrat Stefan Kaineder über Umweltbewusstsein und die Möglichkeit politischer Umsetzung. In der Pfarrkirche St. Marien fand abends die Transitus-Liturgie statt, in der das Sterben des Franziskus gefeiert wird. Für diese aus menschlicher Sicht paradoxe Feier hatte Familie Wirth den Sonnengesang des Franziskus vertont und uraufgeführt. Am 4. Oktober, dem Gedenktag des hl. Franz von Assisi, fand eine ökumenische Wortgottesfeier mit Tiersegnung statt, ehe ein Orgelkonzert das Symposium abschloss.
Zu Foto 1
Die Pfarrgemeinde St. Franziskus Braunau hat am 4. Oktober nicht nur den 880. Todestag ihres Pfarrpatrons festlich begangen, sondern auch einen runden Geburtstag gefeiert: 1976 – vor fünfzig Jahren – wurde die Pfarre gegründet. Dem Gottesdienst stand Domkapitular Willi Vieböck (re.) vor, der ein Kunstwerk als Geburtstagsgeschenk mitgebracht hatte und es an die Pfarrgemeinderatsobfrau Eleonora Zarl (li.) überreichte. Das Relief des Künstlers Josef Fischnaller zeigt die Vogelpredigt des heiligen Franziskus. Auch der Gründungspfarrer Johann Schefthaler und ehemalige Seelsorgende nahmen am Fest teil.
Zu Foto 2:
In der Pfarre Linz-St. Peter im Stadtteil Spallerhof fand am 4. Oktober die traditionelle Tiersegnung mit Einweihung des neuen „Rosarium St. Peter“ statt. Mit dem im Hof der Pfarrgemeinde gelegenen „Garten der Erinnerung“ realisierte „Tierpfarrer“ Franz Zeiger (rechts im Bild) einen Platz, an dem man seinem verstorbenen Haustier ein dauerhaftes Denkmal schaffen kann.
Zu Foto 3:
Der Provinzial der Franziskanerprovinz Austria P. Fritz Wenigwieser OFM – er stammt aus Engerwitzdorf – beim Symposium „Future Franz“ im Gespräch mit einer Teilnehmerin.
Zu Foto 4:
Das Konzert „Cantico“ in der Pfarrkirche Enns St. Marien hat Jung und Alt begeistert. Viele Zeichnungen in der Kirche und im Kreuzgang des Klosters zeigten, dass Franziskus auch im Religionsunterricht Thema war.
Zu Foto 5:
Kooperator P. Czesław Sikora OFM bei der Tiersegnung, die am Festtag des heiligen Franz von Assisi nicht fehlen durfte. Der Heilige verbindet Mensch und Tier ebenso wie Gläubige der verschiedenen Konfessionen. Darum stand die Feier unter dem Thema „All connected“. Musikalisch wurde der Gottesdienst mit Liedern aus der Franziskusmesse gestaltet, die Christian Wirth vor rund zwanzig Jahren komponiert hatte.

Beate Mayerhofer-Schöpf ist Theologin
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Turmeremitin Birgit Kubik berichtet über ihre Woche in der Türmerstube hoch oben im Mariendom Linz >>

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