Am selben Tag wie in Assisi treffen sich im Frastanzer Pfarrzentrum Buddhisten, Muslime und Christen zur gemeinsamen Gebetsstunde. Sie machen das seit zehn Jahren.
Nach den Anschlägen vom 11. September hat nicht nur der Papst zum Friedensgebet der Religionen nach Assisi eingeladen, auch in Österreich hat es seither eine ganze Reihe von interreligiösen Gedenk- und Gebetsstunden gegeben. In Frastanz gibt es das seit zehn Jahren jeweils zur Weltgebetswoche. „Diese regelmäßige gemeinsame Gebetsstunde mit anschließender Begegnung hat uns einander näher gebracht. Und es hat die Überzeugung wachsen lassen, dass wir als gläubige Menschen, ob Muslime, Buddhisten oder Christen, eine Verantwortung tragen für ein gedeihliches und solidarisches Zusammenleben der Menschen in unserer Gemeinde“, meint Dechant Herbert Spieler. Ein wesentliches Element dieses Gebetstreffens ist die anschließende Begegnung. „Das ist schon sehr berührend, wenn man erlebt, wie die Teilnehmer/-innen einander mit typischen Köstlichkeiten ihrer Küche bewirten. Das kommt vom Herzen“, freut sich Herbert Spieler. Für ihn ist das ein Zeichen, dass dieses Gebetstreffen „eine Sache des Volkes“ ist.
In Frastanz ist seit Jahren das gegenseitige Vertrauen gefördert worden: durch gegenseitige Besuche des Pfarrgemeinderates und Vertreter der islamischen Gemeinde und des buddhistischen Zentrums; durch konkrete Zusammenarbeit in sozialen Fragen; durch gemeinsame Hilfsprojekte, etwa für eine vom Erdbeben zerstörte Schule in der Türkei; durch die Öffnung des Pfarrzentrums für Feste türkischer Mitbürger; durch ein offenes Jugendzentrum. Seit kurzem gibt es auch das Angebot, Muslime auf dem Pfarrfriedhof entsprechend ihrer religiösen Gebote zu bestatten.
Vertrauen geschaffen
Seit eineinhalb Jahren gibt es in der Stadt Dornbirn engagierte Bemühungen um eine engere Zusammenarbeit der sechs Pfarren mit den drei islamischen Gemeinden. Ein äußerer Anstoß dazu war der Konflikt um ein islamisches Kulturzentrum, berichtet Diakon Reinhard Waibel. Inzwischen ist durch Begegnungen auf der Ebene der Seelsorger und einem Gespräch der Dekanatskonferenz mit Vertretern der islamischen Gemeinden ein gutes Verhältnis aufgebaut worden. Es war daher relativ einfach, bald nach den Anschlägen vom 11. September ein gemeinsames Gebetstreffen zu organisieren. „Auch dass wir zur Eröffnung des Kulturzentrums eingeladen wurden, zeigt die erfreuliche Entwicklung“, meint Waibel. Er hoffe, dass nun durch persönliche Einladungen und die vereinbarten regelmäßigen Treffen die Beziehungen weiter vertieft werden, woran auch die islamischen Gemeinden zunehmend mehr Interesse zeigen.
DIALOG KONKRET
In Linz treffen sich in der Diözesanen Studiengruppe „Interreligiöser Dialog“ dreimal jährlich Leute aus dem Kindergarten- und Schulbereich, aus der Krankenhauspastoral und aus Pfarren. Es sind Betroffene, die in ihren Kontakten mit anderen Religionsgemeinschaften mit mit konkreten Fragen und Problemen konfrontiert werden. So ist eines der Probleme, wie man Verabschiedungsräume in Spitälern so gestaltet, dass sie auch Moslems entsprechen. Im Frühjahr wird es ein erstes Zusammentreffen der Studiengruppe mit Vertretern des Islam geben. Die Studiengruppe sieht sich auch als Anlaufstelle für interreligiöse Fragen.
Bereits am Tag vor dem Friedensgebet in Assisi treffen sich die Teilnehmer zu einem dreistündigen Gedankenaustausch im Vatikan. Ab 16.00 Uhr steht „der Beitrag der Religionen zum Frieden“ im Mittelpunkt ihrer Beratungen.
Auftakt für den Friedensgipfel in Assisi am 24. Jänner ist die gemeinsame Zugfahrt vom Vatikan nach Santa Maria degli Angeli (Abfahrt 8.30 Uhr).
Die Eröffnung um 11.00 Uhr vor der Basilika San Francesco steht unter dem Motto „Zeugnis für den Frieden“.
Ab 12.30 Uhr beten die Vertreter aller Weltreligionen an verschiedenen Orten, der Papst leitet das gemeinsame Gebet der Christen in der Unterkirche der Basilika.
Ab 15.30 Uhr steht eine „gemeinsame Verpflichtung für den Frieden“ auf dem Programm. Bei der Kundgebung werden Friedenslichter entzündet. Unter den rund 300 Teilnehmern ist ein allgemeiner Friedensgruß geplant.
Am Freitag wird das Treffen im Vatikan fortgesetzt. Der Papst hat alle Religionsvertreter zum Mittagessen in den apostolischen Palast geladen.
IM FERNSEHEN
Das Friedensgebet in Assisi direkt mitverfolgen:
– BR überträgt direkt aus Assisi am 24. Jänner von 15.00 bis 17.00 Uhr.
– ARD überträgt ebenfalls live von 15.50 bis 17.00 Uhr.
– ORF 2 zeigt eine Zusammenfassung: 25. Jänner, 12.05 bis 13.00 Uhr.