Sosehr man sich im Spätherbst auf das Weiß des Winters gefreut hat – jetzt kommt die Sehnsucht nach Grün. Im Kirchenjahr ist es schon soweit.
Im Wechsel der liturgischen Farben färbt die Frohbotschaft auf das menschliche Empfinden. Die Farbe Weiß kennzeichnet die hohen Feste und Festkreise – Weihnachten, Ostern, die großen Marien- und Christusfeste. Auch die Feste jener Heiligen, die nicht Märtyrer sind, werden in Weiß gefeiert. Als die liturgischen Farben im frühen Mittelalter eingeführt wurden, dachte man zwar nicht an Physik, aber auch physikalisch hat die Sache ihre Richtigkeit: Weiß ist die dichteste Farbe, die Summe aller Farben. Das ganze Lichtspektrum kommt im hellen Weiß zum Ausdruck. Die Lichtkraft des Lebens in Christus, das Gelingen des Lebens, strahlt in dieser Farbe auf. In den anderen liturgischen Farben kommen die Details, die Besonderheiten zum Ausdruck. Die Farbe Rot kennzeichnet die Farbe der Märtyrer, des Kreuzes – aber auch des Geistes. Rot erinnert an Blut und Feuer, an die Dramatik des Lebens. Schmerz und Blut, aber auch der Eifer und die Begeisterung. An Märtyrerfesten, am Palmsonntag, Karfreitag und zu Pfingsten wird diese Farbe in der Liturgie getragen. Violett, eine dichte, gemischte Farbe, wird in der Adventszeit und in der Fastenzeit verwendet. In den Zeiten der Vorbereitung, des Fastens also. Jetzt, in der Zeit des allgemeinen Jahreskreises, wird Grün verwendet. Als die Farbe des Wachsens und Gedeihens ist sie auch in der Natur jene Farbe, die zwischen Aussaat und Ernte steht. Im Kirchenjahr drückt sie das Entfalten der Frohbotschaft aus, wie es in den Lesungen der Sonntage und Wochentage beständig verkündigt wird. Schwarz – als die Farbe der Trauer – kommt noch hinzu, auch wenn sie bei Begräbnissen, auch wenn in der Liturgie dafür heute Violett verwendet wird. Schwarz als Gegenfarbe für Weiß zeigt den Moment, in dem alles auf das Licht, das man sich nicht selbst schenken kann. Es ist das volle Licht, in dem der Mensch Christus schauen wird.