Lebenszeiten – Kirchenjahr: Maria Lichtmess am 2. Februar
Ausgabe: 2002/05, Maria Lichtmess, Lebenszeiten, Kirchenjahr,
29.01.2002
- Matthäus Fellinger
„Fest der Begegnung“ hieß „Maria Lichtmess“ in früheren Zeiten. Heute wird das Fest vom 2. Februar schon unter dem dritten Namen gefeiert: „Darstellung des Herrn“.
Maria und Josef zogen am vierzigsten Tag nach Jesu Geburt zum Tempel in Jerusalem, um den Erstgeborenen, wie es üblich war, Gott darzubringen. Ein alter Mann namens Simeon lebte in Jerusalem und sein Leben neigte sich seinem Ende zu. Und es lebte dort auch eine Prophetin. Hanna war 84 und eigentlich gab es für ihr Leben nichts mehr zu erhoffen. Zwei alte Leute waren dort. Alt waren sie in der Tat, aber ihr Leben war keineswegs verbraucht. Den Sinn ihres Lebens haben sie nicht hinter sich vermutet, ihre Aufmerksamkeit war hellwach auf Zukunft hin ausgerichtet. So erkannten sie den Messias im unscheinbaren Kind, als es – wie viele andere – in den Tempel gebracht wurde.
Ein einziger Höhepunkt im Leben – das ist es, worauf Simeon und Hanna hinleben. Eine ganz andere Hoffnung ist das, als jene Hoffnungen mit Ablaufdatum, die Menschen sonst vom Leben erwarten. Ein flüchtiges Highlight nach dem anderen, kaum erlebt, schon vergessen. Wie schnell beginnen Menschen zu zweifeln am Sinn, wenn nicht Tag für Tag das Glück durch die Tür fällt. Die Hoffnung des Simeon und der Hanna erfüllt sich nicht Tag für Tag; aber sie trägt das Leben. Ihr Leben gewinnt Richtung und Sinn. „Eure Augen werden den Tod nicht schauen, ehe ihr den Messias gesehen habt“, lautet die Verheißung. Und Simeon betet, nachdem er das Kind im Arm gehalten hat: „Nun lässt du, Herr, deinen Knecht in Frieden scheiden, denn meine Augen haben das Heil gesehen.“ „Maria Lichtmess“ nennt der Volksmund das Fest. Maria und Josef stehen in dieser Begegnung staunend daneben. Jesus „gehört“ hier nicht seiner Mutter oder dem Vater. Er ist zur Hoffnung aller geworden, die auf das Heil warten. Die Verheißung gilt jetzt dem Christen insgesamt: Ihr werdet den tod nicht schauen, ehe ihr das Heil gesehen habt. Christus ist ja da, mitten unter den Menschen. Jetzt lässt sich leben in Zuversicht.