Mit der Bergpredigt sei keine Politik zu machen, sagte mal einer. Das funktioniere nicht. Und andere meinten: Was Jesus da sagt – da meint er gar nicht uns „durchschnittliche Menschen“. Das könne Jesus nicht gemeint haben, denn wir wären ja heillos überfordert! Was aber, wenn diese Annahme grundfalsch ist? Was, wenn hier tatsächlich von dir und mir die Rede ist?
Glücklich sind, die arm sind vor Gott. Die sich dessen im Klaren sind, dass sie ihre Erlösung nicht selbst bewerkstelligen können, die wissen, dass sie Beschenkte Gottes sind. Glücklich sind, die sanftmütig und gutmütig sind, die gewaltlos sind und Freundlichkeit üben. Glücklich sind, die zutiefst durchdrungen sind vom Verlangen nach Gerechtigkeit. Die nicht nur als Ungerechtigkeit empfinden, was ihnen selbst widerfährt. Glücklich sind, die Mitleid und Erbarmen haben mit anderen. Glücklich sind, die ein aufrichtiges Herz haben. Glücklich sind, die um Frieden und Versöhnung ringen. Glücklich sind, die wegen der Gerechtigkeit geschmäht, verachtet oder verfolgt sind.
Die Seligpreisungen Jesu sind Ermutigung und Aufforderung an jede und jeden: Du kannst danach leben! Das muss nicht bloß auf dem Papier bleiben, wenn ein Mensch es wagt, über sich hinauszugehen, um menschlicher zu werden.Worum es bei den Seligpreisungen der Bergpredigt ganz sicher nicht geht ist, das schön zu reden, was nicht schön ist. Es geht nicht darum, Augen und Ohren vor der Wirklichkeit zu verschließen.
Es war bereits die zweite und dritte Generation christlicher Gemeinden, für die Matthäus sein Evangelium schrieb. Das Feuer des Anfangs hatte nachgelassen. Die große Herausforderung war es, im Alltag mit all seinen kleinen und großen Problemen und Versuchungen durchzuhalten. Die Grundfrage ist – damals wie heute –, wie ein Christ/eine Christin oder eine Gemeinde das b l e i b t, was sie ist: christlich. Zwei Dinge sind es, die hier untrennbar miteinander verbunden sind: Eines ist, dass uns das Himmelreich, das von Gott zu den Menschen kommende Heil geschenkt ist. Und das Zweite: So banal wie der Alltag sein kann, so banal scheint auf den ersten Blick die Antwort des Matthäus: Tu es einfach immer wieder, hör nicht auf zu versuchen, Gerechtigkeit in die Tat umzusetzen. Es gilt immer wieder zu handeln, nach Gerechtigkeit zu verlangen, sanftmütig zu sein, barmherzig zu sein, ein reines Herz zu haben, Frieden zu stiften . . . im Suchen nach Gerechtigkeit ist jetzt schon ein Anfang des Gottesreiches spürbar.
Brigitte Huemer ist Mitarbeiterin der Kooperationsredaktion der westösterreichischen Kirchenzeitungen.