„Shit happens“ heißt das neue Theaterstück von Thomas Baum
Ausgabe: 2002/05, Cyber-krimi, theater, thomas baum, computer, shit happens,
29.01.2002
- Elisabeth Leitner
Die Lacher wurden bei der Premiere „Shit happens“ am Teller serviert. Ob’s nur am Ortsnamen „Laching“ liegt, in dem der Cyberkrimi von Thomas Baum spielt, darf bezweifelt werden.
Die Stückbeschreibung liest sich gut: Ein kleiner, aber größenwahnsinniger Bürgermeister (Eduard Wildner) will ein großes Ding drehen. Als Erfinder von „Wonder-Chatworld“ – einem Cyberzentrum im Internet – hofft er in die Annalen seiner Heimatgemeinde „Laching“ einzugehen. Dafür muss er mit einem dubiosen, schmierigen Manager Kontakte aufnehmen. Doch damit nicht genug bedroht ein plötzlich auftretender Computervirus namens „Shit happens.exe“ das ehrgeizige Projekt, das Provinznest Laching und den Rest der Welt.
Das ist der große Augenblick für Anti-Viren-Special-Agent Konrad Friedwald (Alexander Jagsch)und seine wandlungsfähige Assistentin Paula Bosch (überzeugend: Doris Hindinger). Gemeinsam spüren sie Lachings Abgründe auf und werden Opfer derselben. Hinter den kleinbürgerlichen Fassaden versteckt sich – wen wundert’s – Verzweiflung, Ohnmacht, Gier, bedingsloser Gehorsam, Einsamkeit, Sprachlosigkeit.
Thomas Baums Charaktere orientieren sich an den sattsam bekannten Klischees (Manager sind schmierig, Bürgermeister agieren als Alleinherrscher). Einige sprachliche Zuckerln kann man sich gut auf der Zunge zergehen lassen. Unter Regisseur Hakon Hirzenberger bekommt der Polit-Krimi beinahe kabaretthafte Züge. Die Pointen sind gut gesetzt.
Aber am Ende bleibt die Frage offen, was Autor Thomas Baum mit diesem Theaterstück wollte. Die Persiflage auf die Gesellschaft ist nicht neu. Das Cyber-Thema ist nur eines der zahlreichen Handlungsstränge, die in dieser Inszenierung lose aneinander geknüpft werden. Das Stück kratzt recht freundlich an der Oberfäche. Da wäre noch mehr drinnen gewesen. Obwohl: lustig war’s schon! „Shit happens“: bis März 2002 im Theater Phoenix Linz.