Warum sich die Buddhistin Tuanjai Prommer mit 31 Jahren taufen ließ
Ausgabe: 2002/05, Prommer, Thailand, Dessl, Taufe
29.01.2002
- Josef Wallner
In einem Dorf Thailands aufgewachsen, vermisste Tuanjai Prommer in Österreich die Tempel ihres Landes. Durch die Taufe fand sie in der Kirche eine neue religiöse Heimat.
Gerne erzählt Tuanjai Prommer von Thailand: von ihren Eltern, die ein Reisfeld bestellen, von ihren sechs Geschwistern und von den buddhistischen Tempeln. „Jedes Wochenende haben wir miteinander gebetet, Blumen in den Tempel gebracht und Kerzen angezündet. Das war sehr schön.“ Als Tuanjai mit 23 Jahren nach Österreich zu ihrer Schwester kam, hat sie sich rasch in die Gesellschaft integriert. Das tägliche Gebet, wie sie es von Kindheit an gewohnt war, behielt sie aber bei. Die Tauffeier einer Nichte beeindruckte sie so sehr, dass sie sich sagte: Zu dieser Gemeinschaft möchte ich auch gehören. Über Vermittlung von Kaplan P. Dr. Reinhold Dessl aus Gramastetten nahm sie im Vorjahr in Linz bei Dr. Karl Blumauer an einem Glaubenskurs für Erwachsene teil. Der Ostermontag 2001 war dann ein einzigartiger Festtag: Tuanjai wurde auf den Namen Maria getauft, gefirmt und empfing zum ersten Mal die heilige Kommunion. In derselben Feier spendeten sie und ihr Mann einander das Sakrament der Ehe, und Michaela, ihr zweites Kind, wurde getauft.
Selbstverständlich hat Tuanjai nach der Taufe das tägliche Gebet beibehalten. Sie hat ihr buddhistisches Gebetbuch mit der Bibel getauscht: „Es sind wunderschöne Geschichten, besonders die Erzählungen von der Auferstehung Jesu.“
Der Brauch, sich und die Kinder mit Weihwasser zu besprengen, ist ihr rasch zur festen Gewohnheit geworden. Denn die Zeichen des Glaubens und die Atmosphäre von Kirchenräumen sprechen sie an. „Ich fühle mich frei“, beschreibt sie in einfachen Worten, was ihr der Glaube bedeutet: „Ich bin froh dazuzugehören.“ Wenn Tuanjai die Fotos ihrer Eltern und ihres Dorfes anschaut, dann überkommt sie manchmal die Sehnsucht. Leise sagt sie: „Ja, dann und wann fehlt mir schon der Tempel meines Dorfes ein bisschen.“
ZUR SACHE
Kirche in Zahlen
Jährlich lassen sich in Oberösterreich 16 Erwachsene taufen, 172 firmen und 562 treten in die Kirche ein. In der Fastenzeit findet in Linz, Wels und Neuhofen/Innkreis eine Glaubenseinführung für Erwachsene statt.