„Alte Bibel“ und „Neue Kunst“ in der großen Bibel der Moderne
Ausgabe: 2002/13, Kunst, Alte Bibel, Bibel, Haderer,
26.03.2002
- Elisabeth Leitner
Zum Bild: „Dornenkrone“ von Alexej Jawlensky. Der deutsch-russische Maler (1864 – 1941) hat eine Bildgattung entworfen, die in neuer Weise an die Tradition des Andachtsbildes anknüpft. Jawlenskys Bilder sind Meditationen, die sich auf die abstrahierte Gestaltung eines Gesichts konzentrieren, das die ganze Bildfläche einnimmt.
Darstellungen von Jesus Christus in Kunst und Film haben Gläubige immer schon angeregt, irritiert, verunsichert und bestärkt.
„Respekt vor dem Heiligen“ fordern die Bischöfe Österreichs in ihrer jüngsten Stellungnahme anlässlich der Debatte um das umstrittene Karikaturenbuch „Das Leben von Jesus“ von OÖ. Karikaturist Gerhard Haderer. In einer Stellungnahme hat Christoph Niemand, Professor für Neues Testament, das neueste Werk Haderers als „banal“ bezeichnet: „Jene Gestalt (Anmerk.: gemeint ist damit Jesus Christus), die mir und Abermillionen Menschen wichtig und lebensprägend ist, hätte – gerade auch für einen Karikaturisten – viel mehr herzugeben, als ein paar abgestandene, dünne Witzchen“ (Exklusiv in KIZ Nr. 10/7. März 2002). Kardinal Schönborn schrieb einige Tage später einen Gastkommentar in der Tageszeitung „Die Presse“. Schönborn protestiert darin gegen Haderer und fordert ihn auf, sich für sein Machwerk zu entschuldigen, da es eine Verhöhnung des christlichen Glaubens darstelle. Die Haderer-Publikation erregt mediales Aufsehen.
Biblische Geschichten und im Besonderen die für das Christentum zentrale Gestalt Jesus Christus haben über Jahrhunderte hindurch Künstler/innen inspiriert.
Die „Kunst der Moderne“ entzieht sich jedoch dem Einflussbereich der Kirche, obwohl sie deren zentrale Gestalt des Öfteren thematisiert, ihr eigenes Bild von Jesus zeichnet. Dies gilt besonders für Werke des 20. und 21. Jahrhunders: z. B. den Film „Die letzte Versuchung Christi“ von Martin Scorsese oder Oskar Kokoschkas Bild „Verkündigung“.
„Kunst und Ketzerei besitzen eine engere Beziehung als Kunst und Kirche“, schreibt Christoph Wetzel im Vorwort zur „Bibel der Moderne“. Die „Bibel der Moderne“, in der biblische Texte mit Werken der modernen Kunst illustriert werden, nähert sich der christlichen Tradition vorsichtig: Sie bringt Bekanntes mit Neuem in Beziehung, erklärend, erhellend, auf- und anregend.