Beate Mayerhofer-Schöpf ist Theologin und Referentin für Spiritualität im Pastoralamt der Erzdiözese Wien.
Das Wintersemester hat begonnen, für die Studienanfänger startet ein fordernder Lebensabschnitt: Sie müssen sich auf neue Gegebenheiten einstellen. Wenn sie nicht zuhause studieren, geht das oft mit einem Zurücktreten vertrauter Bindungen einher. Ein Studium ist mit Druck verbunden: durch die Studienanforderungen oder die Kombination mit einer Erwerbsarbeit. Das Studium ist eine Übergangszeit zwischen Jugend und Berufsleben. Um junge Menschen in dieser Zeit zu begleiten, gibt es die Hochschulpastoral. Doch auch sie steht vor Herausforderungen: Universitäten und Hochschulen bilden meist eine sehr säkulare Umgebung, wo Religion und Seelsorge nicht selbstverständlich sind.
„Die Antwort darauf kann nur sein, aktiv auf die jungen Menschen zuzugehen und ihnen eine offene Begleitung anzubieten“, sagt Bernhard Schörkhuber. Der Bildungswissenschaftler und Theologe hat an verschiedenen Universitäten und Hochschulen gelehrt, etwa an der Universität Wien und an der Kirchlichen Pädagogischen Hochschule Wien/Niederösterreich, wo er auch die ökumenische Hochschulpastoral leitete. „Hochschulseelsorger sollten Menschen sein, die mit den Vorgängen an diesen Bildungseinrichtungen vertraut sind“, sagt er. Einen selbstverständlichen Platz für Hochschulseelsorge gebe es nirgendwo mehr, sondern „den muss man sich erarbeiten“. Als eine Möglichkeit beschreibt Schörkhuber, dass sich – wie er es aus eigener Erfahrung kennt – auch Hochschullehrer:innen in der Seelsorge engagieren.
Die Hochschulpastoral steht „heute vor der ultimativen Zerreißprobe zwischen dem hyperaktiven Drang, ‚nur noch kurz die Welt zu retten‘, und der ernüchternden Realität einer Gesellschaft, in der nichts fehlt, wo Gott fehlt“. Hier muss sich die Hochschulseelsorge als „unaufdringlicher Resonanzraum für eine Generation, die alles optimiert, aber Sinn sucht, radikal neu erfinden“.
Ein weiterer Zugang wäre, sich selbst zu bestimmten Gelegenheiten hineinzureklamieren: mit einem interkonfessionellen oder interreligiösen Impuls bei Abschlussfeiern oder beim Eintritt von neuen Lehrenden in die Hochschule. „Von der analogen Anschlagtafel bis zu den sozialen Netzwerken – die Hochschulpastoral muss alle Kanäle bespielen, um eine durchgehende Sichtbarkeit und Erreichbarkeit zu garantieren.“ „Als ich mit der Hochschulseelsorge begonnen habe, stellte ich mir auch die Frage: Wie bekomme ich da einen Fuß in die Tür? Gelungen ist dies insbesondere durch das Angebot einer Feier zur ‚Nacht der tausend Lichter‘ inklusive Agape, die auf ein enormes Echo traf“, analysiert Schörkhuber die Situation.
Dass Hochschulseelsorge aktiv sein muss, ist klar. Doch was genau ist mit Offenheit gemeint? „Es geht hier um christliche Compassion („Mitleidenschaft“) und nicht darum, den Studierenden als die ‚Wissenden‘ gegenüberzutreten. Es braucht eine Haltung der Demut, um zu einem authentischen Gesprächspartner zu werden“, betont der Theologe. Und wie passt das mit der Forderung nach „missionarischem Auftreten“ zusammen? „Da höre ich immer Erwartungen wie: Kommen durch die Hochschulpastoral mehr junge Menschen am Sonntag in den Gottesdienst? Ich habe erlebt, dass wir Hochschulgottesdienste während der Woche gefeiert haben und mir Studierende, aber auch Kolleg:innen in der Lehre zu bedenken gaben: ‚Das ist für uns der Sonntagsgottesdienst!‘“, berichtet Schörkhuber. Die Seelsorge würden die Studierenden als etwas Religiöses verorten, aber nicht unbedingt mit „Kirche“ verbinden. Neben der Compassion sind für Bernhard Schörkhuber die „Viriditas“ (die lebendige Lebenskraft) und eine Liturgie, die Gotteserfahrung (Mystagogie erleben) möglich macht, wichtige Punkte der Hochschulseelsorge.
Nicht zuletzt verweist er darauf, dass sie umfangreiche Zeitressourcen benötigt. „In der Hochschulseelsorge habe ich als meine Erreichbarkeit immer die Zeit ‚Montag bis Sonntag von 7 bis 22 Uhr‘ angegeben.“ Eine besondere Bedeutung habe das ehrenamtliche Engagement und dass man den Lehrenden und Studierenden, die sich einbringen, etwas zutraut. Da sich Hochschulpastoral nicht nur an Studierende, sondern an alle Menschen in der jeweiligen Einrichtung wendet und stets unbedingt für die Menschen eintritt, hat sie – so ist Bernhard Schörkhuber überzeugt – auch eine bedeutsame hochschulpolitische Funktion.
Buchhinweis: Bernhard Schörkhuber (Hg.): Wisse die Wege. Hochschulpastoral in Zeiten der Transformation. Edition Widerhall, 2025, 210 Seiten, € 18,–

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