Beate Mayerhofer-Schöpf ist Theologin und Referentin für Spiritualität im Pastoralamt der Erzdiözese Wien.

An jenem Tag wird der Herr der Heerscharen auf diesem Berg – dem Zion – für alle Völker ein Festmahl geben mit den feinsten Speisen, ein Gelage mit erlesenen Weinen, mit den feinsten, fetten Speisen, mit erlesenen, reinen Weinen. Er verschlingt auf diesem Berg die Hülle, die alle Völker verhüllt, und die Decke, die alle Nationen bedeckt.
Er hat den Tod für immer verschlungen und Gott, der Herr, wird die Tränen von jedem Gesicht abwischen und die Schande seines Volkes entfernt er von der ganzen Erde, denn der Herr hat gesprochen. An jenem Tag wird man sagen: Siehe, das ist unser Gott, auf ihn haben wir gehofft, dass er uns rettet. Das ist der Herr, auf ihn haben wir gehofft. Wir wollen jubeln und uns freuen über seine rettende Tat. Denn die Hand des Herrn ruht auf diesem Berg.
Ich weiß Entbehrungen zu ertragen, ich kann im Überfluss leben. In jedes und alles bin ich eingeweiht: in Sattsein und Hungern, Überfluss und Entbehrung. Alles vermag ich durch den, der mich stärkt.
Doch ihr habt recht daran getan, an meiner Bedrängnis Anteil zu nehmen. Mein Gott aber wird euch durch Christus Jesus alles, was ihr nötig habt, aus dem Reichtum seiner Herrlichkeit schenken. Unserem Gott und Vater aber sei die Ehre in alle Ewigkeit! Amen.
Jesus antwortete und erzählte ihnen ein anderes Gleichnis: Mit dem Himmelreich ist es wie mit einem König, der seinem Sohn die Hochzeit ausrichtete. Er schickte seine Diener, um die eingeladenen Gäste zur Hochzeit rufen zu lassen. Sie aber wollten nicht kommen. Da schickte er noch einmal Diener und trug ihnen auf: Sagt den Eingeladenen: Siehe, mein Mahl ist fertig, meine Ochsen und das Mastvieh sind geschlachtet, alles ist bereit.
Kommt zur Hochzeit! Sie aber kümmerten sich nicht darum, sondern der eine ging auf seinen Acker, der andere in seinen Laden, wieder andere fielen über seine Diener her, misshandelten sie und brachten sie um. Da wurde der König zornig; er schickte sein Heer, ließ die Mörder töten und ihre Stadt in Schutt und Asche legen. Dann sagte er zu seinen Dienern: Das Hochzeitsmahl ist vorbereitet, aber die Gäste waren nicht würdig. Geht also an die Kreuzungen der Straßen und ladet alle, die ihr trefft, zur Hochzeit ein!
Die Diener gingen auf die Straßen hinaus und holten alle zusammen, die sie trafen, Böse und Gute, und der Festsaal füllte sich mit Gästen. Als der König eintrat, um sich die Gäste anzusehen, bemerkte er unter ihnen einen Menschen, der kein Hochzeitsgewand anhatte. Er sagte zu ihm: Freund, wie bist du hier ohne Hochzeitsgewand hereingekommen? Der aber blieb stumm. Da befahl der König seinen Dienern: Bindet ihm Hände und Füße und werft ihn hinaus in die äußerste Finsternis! Dort wird Heulen und Zähneknirschen sein. Denn viele sind gerufen, wenige aber auserwählt.
Der Herr ist mein Hirt, nichts wird mir fehlen.
Er lässt mich lagern auf grünen Auen
und führt mich zum Ruheplatz am Wasser.
Meine Lebenskraft bringt er zurück.
Er führt mich auf Pfaden der Gerechtigkeit, getreu seinem Namen.
Auch wenn ich gehe im finsteren Tal,
ich fürchte kein Unheil;
denn du bist bei mir,
dein Stock und dein Stab, sie trösten mich.
Du deckst mir den Tisch
vor den Augen meiner Feinde.
Du hast mein Haupt mit Öl gesalbt,
übervoll ist mein Becher.
Ja, Güte und Huld
werden mir folgen mein Leben lang
und heimkehren werde ich ins Haus des Herrn
für lange Zeiten.
Jesus vergleicht das Reich Gottes mit einem Hochzeitsfest. Für die Menschen seiner Zeit war das ein besonders starkes Bild: Eine Hochzeit dauerte mehrere Tage, sie war Ausdruck von Freude und Gemeinschaft. Die Einladung dazu war keine Nebensache, sondern eine große Ehre.
Gerade deshalb wirkt die Reaktion der Eingeladenen so befremdlich. Sie bleiben gleichgültig oder lehnen ab. Manche reagieren sogar gewalttätig auf die Boten. Damit spricht Jesus seine eigene Erfahrung an: Gottes Einladung stößt nicht immer auf offene Herzen. Viele sind beschäftigt, abgelenkt oder verschlossen.
Die erste Einladung im Gleichnis gilt denen, die „dazu gehören“. Für die Zuhörenden war das ein Hinweis auf das Volk Israel und besonders auf die religiös Verantwortlichen. Doch die Einladung wird nicht angenommen. Das bedeutet nicht, dass Gott sich abwendet – im Gegenteil: Die Einladung wird ausgeweitet.
Nun werden Menschen von den Straßen geholt – ohne Auswahl. Gute und Böse, Einfache und Unscheinbare. Das ist ein starkes Zeichen: Gottes Reich ist offen für alle. Niemand ist ausgeschlossen. Jeder darf kommen.
Doch damit ist das Gleichnis nicht zu Ende. Der zweite Teil bringt eine Spannung hinein. Der Mann ohne Hochzeitsgewand wird hinausgeworfen. Das wirkt hart. Aber im damaligen Kontext ergibt es Sinn: Ein Gastgeber stellte oft Kleidung bereit. Wer ohne Gewand kam, zeigte: Ich nehme die Einladung nicht wirklich ernst.
Gottes Einladung ist grenzenlos – und sie verlangt eine Antwort. Er zwingt niemanden, aber er nimmt unsere Antwort ernst. Es geht letztlich um die Frage: Wie begegne ich dieser Einladung? Pflichtbewusst, wenn ich gerade mal Zeit habe, mit Freude, dankbar …

Beate Mayerhofer-Schöpf ist Theologin und Referentin für Spiritualität im Pastoralamt der Erzdiözese Wien.