Beate Mayerhofer-Schöpf ist Theologin
und Referentin für Spiritualität im
Pastoralamt der Erzdiözese Wien

So spricht der Herr zu seinem Gesalbten, zu Kyrus: Ich habe ihn an seiner rechten Hand gefasst, um ihm Nationen zu unterwerfen; Könige entwaffne ich, um ihm Türen zu öffnen und kein Tor verschlossen zu halten: Um meines Knechtes Jakob willen, um Israels, meines Erwählten, willen habe ich dich bei deinem Namen gerufen; ich habe dir einen Ehrennamen gegeben, ohne dass du mich kanntest.
Ich bin der Herr und sonst niemand; außer mir gibt es keinen Gott. Ich habe dir den Gürtel angelegt, ohne dass du mich kanntest, damit man vom Aufgang der Sonne bis zu ihrem Untergang erkennt, dass es außer mir keinen Gott gibt. Ich bin der Herr und sonst niemand.
Paulus, Silvánus und Timótheus an die Kirche der Thessalónicher, die in Gott, dem Vater, und in Jesus Christus, dem Herrn, ist: Gnade sei mit euch und Friede! Wir danken Gott für euch alle, sooft wir in unseren Gebeten an euch denken; unablässig erinnern wir uns vor Gott, unserem Vater, an das Werk eures Glaubens, an die Mühe eurer Liebe und an die Standhaftigkeit eurer Hoffnung auf Jesus Christus, unseren Herrn.
Wir wissen, von Gott geliebte Brüder und Schwestern, dass ihr erwählt seid. Denn unser Evangelium kam zu euch nicht im Wort allein, sondern auch mit Kraft und mit dem Heiligen Geist und mit voller Gewissheit.
In jener Zeit kamen die Pharisäer zusammen und beschlossen, Jesus mit einer Frage eine Falle zu stellen. Sie veranlassten ihre Jünger, zusammen mit den Anhängern des Herodes zu ihm zu gehen und zu sagen: Meister, wir wissen, dass du die Wahrheit sagst und wahrhaftig den Weg Gottes lehrst und auf niemanden Rücksicht nimmst, denn du siehst nicht auf die Person. Sag uns also: Was meinst du?
Ist es erlaubt, dem Kaiser Steuer zu zahlen, oder nicht? Jesus aber erkannte ihre böse Absicht und sagte: Ihr Heuchler, warum versucht ihr mich? Zeigt mir die Münze, mit der ihr eure Steuern bezahlt! Da hielten sie ihm einen Denár hin. Er fragte sie: Wessen Bild und Aufschrift ist das? Sie antworteten ihm: Des Kaisers. Darauf sagte er zu ihnen: So gebt dem Kaiser, was dem Kaiser gehört, und Gott, was Gott gehört!
Bringt dar dem Herrn Ehre und Macht!
Singet dem Herrn ein neues Lied,
singt dem Herrn, alle Lande!
Erzählt bei den Nationen von seiner Herrlichkeit,
bei allen Völkern von seinen Wundern!
Denn groß ist der Herr und hoch zu loben,
mehr zu fürchten als alle Götter.
Denn alle Götter der Völker sind Nichtse,
aber der Herr ist es, der den Himmel gemacht hat.
Bringt dar dem Herrn, ihr Stämme der Völker,
bringt dar dem Herrn Ehre und Macht,
bringt dar dem Herrn die Ehre seines Namens!
Bringt Gaben und tretet ein in die Höfe seines Heiligtums!
Werft euch nieder vor dem Herrn in heiligem Schmuck!
Erbebt vor ihm, alle Lande!
Verkündet bei den Nationen: Der Herr ist König!
Er richtet die Völker so, wie es recht ist.
Die Frage der Pharisäer zielt auf ein hochbrisantes Thema. Denn die Steuer an den römischen Kaiser war sehr umstritten. Sie bedeutete nicht nur eine finanzielle Belastung, sondern auch die Anerkennung einer fremden Macht. Manche sahen darin sogar einen Widerspruch zum Glauben an den einen Gott.
Die Falle ist geschickt gestellt: Sagt Jesus, man soll die Steuer nicht zahlen, kann man ihn als politischen Aufrührer anzeigen. Sagt er, man soll sie zahlen, verliert er Vertrauen beim Volk. Es scheint keinen guten Ausweg zu geben.
Doch Jesus antwortet nicht direkt. Er bittet um eine Münze und stellt eine Gegenfrage: „Wessen Bild ist das?“ Die Antwort ist klar: das des Kaisers. Damals trugen die Münzen sein Bild und eine Inschrift, die ihn oft sogar als göttlich darstellte.
Damit wird die Antwort vorbereitet: Was dieses Bild trägt, gehört in seinen Bereich. Der zweite Satz ist der eigentliche Schlüssel: „Gebt Gott, was Gott gehört.“
Für die Zuhörerenden war sofort deutlich: Schon im Buch Genesis heißt es, dass der Mensch nach Gottes Bild geschaffen ist. Das bedeutet: Mein Leben, mein Innerstes, gehört nicht irgendeiner Macht, sondern Gott.
Jesus trennt also nicht einfach zwei Bereiche („hier die Welt, dort Gott“). Er ordnet sie. Es gibt legitime Aufgaben in dieser Welt – Pflichten, Verantwortung, politische Strukturen. Aber sie sind nicht das Letzte. Gott steht über allem.
Diese Spannung ist bis heute aktuell. Wir leben in einer Welt mit vielen Anforderungen und Erwartungen. Gleichzeitig sind wir auf Gott hin geschaffen. Jesus sagt nicht: Zieh dich aus der Welt zurück. Er sagt aber auch nicht: Geh ganz in ihr auf. Sondern: Lebe in der Welt – aber vergiss nicht, wem du wirklich gehörst.

Beate Mayerhofer-Schöpf ist Theologin
und Referentin für Spiritualität im
Pastoralamt der Erzdiözese Wien