LebensZeiten – KirchenJahr: Drei Tage war jede Hoffnung begraben
Ausgabe: 2002/13, Karwoche, Ostern, Liturgie,
26.03.2002
- Matthäus Fellinger
Die Kartage laden ein, sich die Aussichten eines Lebens ohne Jesus auszumalen.
Tröste dich nicht! Jesus ist tot. Du Mensch am Grab des Geliebten. Es gibt kein Wiedersehen. Hoffe auch nicht, dass da in irgendeinem Jenseits jemand an dich denkt oder gar erwartet. Glaube, Hoffnung, Liebe – nur eine kurze Zeit haben sie dich über die Lebensspanne getragen. Aber jetzt ist es aus. Ende. Es macht keinen Unterschied, ob du schreiend nach Leben bettelst oder ob du dich still in dein Schicksal fügst. Niemanden rühren deine Tränen. Trockne sie nicht, es wäre nur Augenauswischerei. So unterschiedlich die Menschen sind, sterben sie auch.Dies ist die Nacht des Todes. Drei Tage war Jesus im Grab. Drei Tage war die Hoffnung tot. Er, der sich Sohn Gottes genannt hatte, am Kreuz, im Grab.
Drei Tage hielt der Tod jede Hoffnung in ihrem Bann. Die Feier der Kartage hat diese Zeit zwar verkürzt, gerade anderthalb Tage liegen zwischen dem Gedenken an den Kreuzestod am Freitag und der Osternacht, in der die Auferstehung gefeiert wird. Die wenigen Stunden reißen aus dem gewohnten Trott. Man muss es sich nur vor Augen führen, was es bedeutet: Jesus ist tot – und er wäre auch tot geblieben. „Hinabgestiegen zu den Toten“, formuliert das Glaubensbekenntnis. Den Menschen, die ganz ohne Möglichkeit waren, den Toten, ist er gleich geworden.
Auferstehung und Leben sind nicht selbstverständlich. Bis ins fünfte Jahrhundert wurde in den ersten Tagen der Karwoche keine Messe gefeiert, um die Abendmahlsfeier am Gründonnerstag in ihrer Bedeutung noch mehr zu unterstreichen. Zwischen Abendmahlsfeier und Auferstehungsfeier wird auch heute keine Eucharistiefeier gefeiert. Die in der Gründonnerstag-Liturgie praktizierte Fußwaschung zeigt, wie sich Jesus ganz hinablässt und zum Diener macht. Am Karfreitag steigt er noch tiefer hinab. Nicht nur seinen Dienst, auch sein Leben bringt er zum Einsatz. Die evangelische Kirche feiert den Karfreitag als den Tag der Erlösung, als einen Tag der Freude. In der katholischen Liturgie wird Ostern erst mit der Feier der Auferstehung zum Fest.
Die einen haben Jesu Tod gewollt und betrieben. Die anderen haben ihn nicht verhindern können. Gottes unerwartete Antwort hat dem Tod den Stachel genommen. Wer sein Leben gibt, wird es gewinnen. Nicht der Tod, das Leben steht am Ende.