Nun überschlagen sich die Ereignisse. Fast atemlos berichtet das Evangelium vom Ostersonntag von Wahrnehmungen, die wenige Tage nach Jesu qualvollem Tod gemacht werden. Von Grabraub ist die Rede, von zwei Jüngern, die wie die Feuerwehr herbeieilen, von unbekannten Gestalten, die sich zum Grab Zutritt verschafft haben und von der Begegnung des Auferstandenen mit Maria Magdalena, die ihn zunächst für den Gärtner hält. Die bewegte Erzählung endet mit einem zweifachen Auftrag Jesu: Erstens, ihn nicht festzuhalten, und zweitens, das Erlebte weiterzusagen.
Wo das Noch-nie-Dagewesene eintritt, nämlich dass der Tod nicht das letzte Wort hat, dort gerät alles aus den Fugen. Was geschieht, ist schwer zu verstehen. Normales Alltagstempo reicht nicht aus. Vertraute Gesichter kommen einem unbekannt vor. Die Augenblicke der Begegnung mit dem vollen Leben und das unsagbare Glück sind nicht festzuhalten. Doch der Mund geht über davon, wovon Herz und Sinne voll sind. Alle sollen das Unglaubliche wissen! – Äußere Gesetzmäßigkeiten werden belanglos,die Ordnung wankt. Innere Unruhe kommt auf. Starres gerät in Bewegung, Abgestorbenes erwacht zu neuem Leben. Die Nacht der Angst ist zu Ende, der neue Tag wirft ein anderes Licht auf alles. Jesus verlässt sein Grab, um uns Menschen aus den Gräbern der Einsamkeit, der Schuld und der Gewöhnlichkeit zu führen.
Der auferstandene Christus kommt, um im Innersten des Menschen ein Fest lebendig werden zu lassen“, schrieb der Prior von Taizé, Frère Roger Schutz zu Ostern 1970, als er das Konzil der Jugend ausrief. „Er bereitet uns einen Frühling der Kirche, einer Kirche, die über keine Machtmittel mehr verfügt, bereit mit allen zu teilen, ein Ort sichtbarer Gemeinschaft für die ganze Menschheit. Er wird uns Phantasie und Mut geben, einen Weg der Versöhnung zu bahnen.“ – Unsere Welt bettelt um die Erfahrung der Auferstehung, wartet dringend auf einen Frühling nach langem Winter. Zu viele sind als Lebende schon tot, zu viele kennen nichts als Unfriede, Hass, Ausbeutung, Flucht, Hunger, Elend, Verzweiflung, Krankheit. Zu viele hoffen auf ein Leben vor dem Tod.
Herr Jesus! Mache uns fähig, dieser Welt eine Oster-Erfahrung des Lebens zu schenken, die umwirft, was Unumstößlich scheint, die nichts beim Alten lässt, die Neues hervorbringt. Bring unser Leben in Unruhe, aber sei Du der ruhende Pol darin. Erwecke meine Erstarrungen durch Deine Auferstehung zu neuem Leben, löse Verkrampftes, heile Verletztes. Lass im Innersten aller Menschen ein Fest lebendig werden.
Martin Kranzl-Greineckerist Theologe und Journalist und lebt mit seiner Familie in OÖ.