Bischof Maximilian Aichern schreibt Bischofswort zum Jahr der Berufung
Ausgabe: 2002/16, Aichern, Berufung, Jahr der Berufung, Signal, Gott, Weltpriester
16.04.2002
- Kirchenzeitung der Diözese Linz
Erstmals wird heuer in der Diözese Linz kein Weltpriester geweiht. Die Situation ist dramatisch. Bischof Maximilian Aichern wendet sich zum Thema „Berufung“ an die Pfarren.„Alle Christen sind berufen, ihren Glauben durch ihr Leben zu bezeugen und weiter zu tragen. Sie sind berufen, am Leben der Kirche teilzunehmen, aber auch je nach Möglichkeit in der Politik und Wirtschaft, in der Wissenschaft und Kultur mitzuwirken und das Leben der Gesellschaft im Geist Jesu Christi mitzugestalten.“ So schreibt Bischof Maximilian Aichern in einen Bischofswort für den Tag der Geistlichen Berufe am kommenden Sonntag, 21. April. Zu der in Taufe und Firmung grundgelegten Berufung gehöre auch die Berufung zu Ehe und Familie. „Die Verheirateten sollen ihre Ehe nicht als Privatsache ansehen, sondern als Berufung im Dienst an den Menschen“, schreibt Bischof Aichern.
Mit besonderer Sorge formuliert Aichern das Thema der Berufung zum kirchlichen Amt: Die Kirche brauche Bischöfe, Priester und Diakone. Wenn aber „das Ansehen der Kirche abnimmt und die Glaubwürdigkeit ihrer Amts-träger Schaden leidet, wenn sich viele Christen von ihrer Kirche abmelden, wird die Neigung zu einem geistlichen Beruf in vielen Menschen verkümmern, aber auch die Bereitschaft von Frauen und Männern, spezielle kirchliche Dienste in der Pfarrseelsorge oder als Religionslehrer zu übernehmen, wird schwächer werden“, heißt es im Bischofswort. Der dramatische Rückgang der Priesterberufe sei – zitiert Aichern den Deutschen Bischof Franz Kamphaus, „ein alarmierendes Signal“. „Was ist los mit unseren Gemeinden, mit unserer Kirche, dass so wenig junge Leute auf den Gedanken kommen, Priester zu werden?“
Aichern verweist aber auch auf die Bedingungen, die ein kirchliches Amt braucht: Die Begabung des Menschen, die im Auftrag des Bischofs geprüft wird, ebenso die Eignung für einen geistlichen Beruf. „Der bloße Wunsch oder das Gefühl, dazu berufen zu sein, gibt niemandem das Recht, auch dazu bestellt zu werden“, nennt Aichern auch die Grenze.
In der Antwort auf den Ruf Gottes „werden wir unseren Platz auf der Erde und den Sinn unseres Lebens finden“, beschließt Aichern das Bischofswort.
ZUR SACHE
Ein brennendes Anliegen
Berufung kann zwar nicht eingeschränkt werden auf Priester- und Ordensberufe, meint der Regens des Linzer Pries-terseminars Mag. Max Mittendorfer. Er fürchtet allerdings, dass die Frage der Priesterberufe als dringliches Anliegen nicht deutlich genug gesehen wird. Generaloberin Sr. Michaela Pfeiffer-Vogl sieht die Situaiton bei den Frauenorden ähnlich „brennend“: Nur eine einzige Novizin bereitet sich in Oberösterreichs Frauenklöstern auf das Ordensleben vor. Sr. Michaela ist trotzdem zuversichtlich: „Nicht die große Zahl ist ausschlaggebend, sondern wie die Schwestern selbst ihre Berufung leben und wie sie dahinter stehen. Die Kirchengeschichte hat schon oft Tiefpunkte durchlebt.“