Vom 23. bis 26. Mai besucht Papst Johannes Paul II. zum ersten Mal Bulgarien. Die Caritas Österreich ist bereits seit acht Jahren dort.
Auch wenn die Weltbank von einem stabilen Wachstumskurs spricht und sich die Investitionen in den letzten vier Jahren verdoppelt haben – „Bulgarien ist ein Land, wo man der Armut auf Schritt und Tritt begegnet“, meint Felicitas Filip. In den Städten würden vor allem die hohe Jugendarbeitslosigkeit und die vielen sozial verwahrlosten Kinder zu einem wachsenden Problem, auf dem Land fehle es oft an der grundlegenden Versorgung, meint die Osteuropaexpertin der Caritas Österreich. Ein Dutzend Mal war Filip bisher in Bulgarien, um vor Ort konkrete Hilfsprojekte auf die Beine zu stellen. Da die Katholiken (70.000 römisch-katholisch und 15.000 griechisch-katholisch) nicht einmal ein Prozent der Bevölkerung ausmachen, „ist die Caritas in Bulgarien zwar eine kleine Organisation; aber sie ist sehr engagiert und professionell“, betont Filip. So etwa versorgte sie Monate hindurch mit finanzieller Unterstützung aus Österreich (Kath. Aktion und Caritas) Zehntausende Flüchtlinge aus dem Kosovo.
Eine bessere Zukunft
Wenn Felicitas Filip von Banja erzählt, dann spricht sie vom unbeschreiblichen Elend, das sie in den Roma-Siedlungen des südbulgarischen Bergdorfes erlebt hat. „Dort wohnen Großfamilien in Hütten von zehn bis zwölf Quadratmeter, oft gibt es nur ein Bett und häufig sind die Dächer löchrig, weil die Leute sogar Ziegel für Essen verkaufen. Als ich zum ersten Mal dort hinkam, ging kaum eines der Roma-Kinder zur Schule“, erinnert sich Filip. Seit fünf Jahren ist das anders. Die couragierte Bürgermeisterin der nahen Stadt und engagierte Lehrer haben gemeinsam mit der Caritas eine Kinderküche ins Leben gerufen. Wer die Schule besucht, bekommt dort eine warme Mahlzeit und, wenn nötig, auch Schulutensilien und Förderunterricht. Wenn Filip von Banja erzählt, dann berichtet sie auch von der großen Veränderung. „Heute gehen praktisch alle 250 schulpflichtigen Roma-Kinder auch zur Schule. Das ist der erste Schritt in eine bessere Zukunft.“ Um eine bessere Zukunft geht es auch bei den fünf Caritas-Tageszentren für geistig und körperlich behinderte Kinder und Jugendliche. In Bulgarien gibt es kaum staatliche Einrichtungen zur Betreuung und Ausbildung Behinderter. Viele behinderte Kinder verwahrlosen, weil die Familie auf das Einkommen beider Elternteile angewiesen ist und daher niemand auf die Kinder schauen kann. In den Caritas-Tageszentren erleben die behinderten Kinder aus armen Familien oft zum ersten Mal in ihrem Leben einen Ort, wo auf ihre Bedürfnisse eingegangen wird und wo sie umfassend gefördert werden.
Caritas-Bus in Sofia
Mit Spenden aus Österreich werden überdies sechs Caritas-Armenküchen, die Abgabe von Medikamenten an Bedürftige, der Aufbau einer Hauskrankenpflege in Sofia und Plovdiv, eine Mutter-Kind-Tagesstätte in Sofia mit einer Näherei, Töpferei und einer Spielzeugwerkstätte sowie Arbeitslosenprojekte (Computerschulungen etc.) unterstützt. Täglich zieht ein Caritas-Bus in Sofia die Runden, um drogenabhängige Straßenjugendliche zu betreuen. Und schließlich gibt es mit Unterstützung und mit Experten/-innen aus Österreich jedes Jahr eine Schulung für Caritas-Mitarbeiter/-innen in Bulgarien. Das Hilfsbudget für heuer beträgt 100.000 Euro. „Wir könnten wesentlich mehr sinnvoll einsetzen, aber die Spendenbereitschaft für langfristige Hilfe in Osteuropa nimmt leider ständig ab“, bedauert Filip.
- Spenden: PSK 7.700.004, Kennwort: Bulgarien
Kirche gespalten
Stichwort
Nach einem Abstecher in Azerbaidschan (22./23. Mai) wird der Papst nach Bulgarien (23. bis 26. Mai) reisen. Der Termin ist nicht zufällig so gewählt. Am 24. Mai ist das Fest der „Slawenapostel“ Kyrill und Method, die von Johannes Paul II. besonders verehrt werden. In Bulgarien (9. u. 10. Jh.) entwickelten die Schüler Methods die slawische Kultur und Kirchensprache zur ersten Blüte und schufen so die Voraussetzung für die Christianisierung Russlands.85 Prozent der 8,5 Millionen Bulgaren sind orthodox. Der Papst trifft bei seinem Besuch allerdings auf eine heikle Situation: die bulgarisch-orthodoxe Kirche ist seit zehn Jahren gespalten. Ein Teil der Bischöfe wollte damals den Rücktritt des 1971 gewählten Patriarchen Maksim. Man warf ihm zu enge Kooperation mit den Kommunisten vor. Die politischen Parteien haben die gespaltene Kirche für ihre Zwecke instrumentalisiert: die Exkommunisten förderten Maksim, die „Demokraten“ die Gegenkirche. Vom Papstbesuch rechnet sich die „offizielle“ Kirche einen Vorteil aus. Maksim hat nach langem Zögern daher die Visite auch begrüßt.Die kleine katholische Kirche mit zwei römisch- und einer griechisch-katholischen Diözese lebt mit den anderen Konfessionen und Religionen im Frieden. Wegen der Unierten gibt es keine Konflikte. Sie waren auch, anders als in den meisten anderen kommunistischen Ländern, nie in die orthodoxe Kirche zwangseingegliedert worden. Nach der massiven Kirchenverfolgung der 50er Jahre hat sich die Lage bei Amtsantritt von Papst Johannes XXIII. etwas entspannt. Er war von 1925 bis 1934 Apostolischer Delegat in Sofia und genoss dort große Zuneigung. Zum Konzil durften alle Bischöfe ausreisen.