Caritas eröffnet zwei Neubauten und damit auch Neukonzeptionen
Ausgabe: 2002/24, Caritas, St. Bernhard, St. Anna, Froschberg, Engelhartszell
11.06.2002
- Ernst Gansinger
Gebäude sind das eine, Einstellungen das andere. Aber Gebäude und Einstellungen färben auch aufeinander ab. – Im positiven Sinn bei den beiden neuen Caritas-Häusern St. Anna und St. Bernhard.
„Leben wir das ganz normale Leben und leben wir es gut!“ – Margot Reder, Pflegedienstleiterin des neuen Caritas-Seniorenwohnhauses St. Anna am Linzer Froschberg, fasst so zusammen, was als Motto auch über einer zweiten neuen Caritas-Einrichtungen stehen könnte, über St. Bernhard in Engelhartszell.
„Jeden Menschen kann man mobilisieren; es ist unsere Aufgabe, ihn wieder zu den Menschen zu führen. Erhöhter Pflegebedarf heißt nicht, dass der Mensch von Kontakten ausgeschlossen ist.“ – Wieder sind es Worte von Margot Reder. Nicht ausschließen, sondern zusammenbringen, ist eine wichtige Begleitmusik für beide Einrichtungen, die am 12. Juni (St. Anna) bzw. am 15. Juni (St. Bernhard) eröffnet werden.
Sich wohl fühlen
Der Hausleiter von St. Anna, Albert Labacher, unterstreicht dieses an den Bedürfnissen der betreuten Menschen orientierte Verständnis: Die Leute sollen sich wohl fühlen. Das setzt freundliche, helle, farbensprechende Bauweisen voraus. und es heißt, die Bewohner/innen dürfen hier tun, was sie in ihrem Leben gerne getan haben. Wer will und dazu in der Lage ist, kann auch selber seine Wäsche waschen, kochen, abwaschen . . . Jede Wohngruppe hat in St. Anna und in St. Bernhard eine eigene Küche – es ist eine der Voraussetzungen für Wohnlichkeit und dem Gefühl, zu Hause zu sein.St. Anna wie St. Bernhard vernetzen verschiedene Sozialeinrichtungen. So setzte St. Anna den Wunsch von Landesrat Josef Ackerl um, ein Seniorenwohnhaus im Verbund mit einer weiteren sozialen Einrichtung zu bauen. Das Areal von St. Elisabeth, das Ausbildung und Beschäftigung für Jugendliche mit Beeinträchtigung anbietet, war ein entsprechender Standort. In St. Bernhard werden unter einer Leitung Einrichtungen für psychisch beeinträchtigte Menschen und ein Seniorenwohnhaus geführt.
Recht auf Standard
Beide Neubauten spiegeln den Wandel in der Sozialpolitik: Menschen, die in ihrem Lebensalltag auf Hilfe angewiesen sind, haben ein Anrecht auf einen gesellschaftsüblichen Wohnstandard. Sehr augenfällig wird dies am Beispiel von St. Bernhard: Vor einem halben Jahr sind die etwa 50 Bewohner/innen des Altbaues in den Neubau umgezogen. Das bedeutete – Auszug aus Mehrbettzimmern und alten, hohen Räumen, Einzug in Einzelzimmer; wobei jeweils mehrere Zimmer zu einer psychosozialen Langzeitwohngruppe zusammengeschlossen sind. Es kam zu sehr positiven Reaktionen, etwa dass Menschen offener wurden, auf Leute zugingen, wie sich Leiter Johann Mair freut. Im Neubau sind außerdem 30 ältere, pflegebedürftige Menschen untergebracht.
Die Zukunft der sozialen Einrichtungen liegt in flexiblen, regionalen Angeboten, die vom Zusammenwirken profitieren. Wie zum Beispiel St. Anna und St. Elisabeth: Die Jugendlichen von St. Elisabeth kochen und waschen; was Ausbildungsplätze sichert. Sie besorgen zudem einen Teil der Reinigung, servieren im Haus-Cafe, und machen gemeinsame Feste mit den Bewohner/innen.
St. Anna, Linz
Seit Februar 2002 ziehen Bewohner/ innen ins Haus ein. Im Herbst wird das Haus voll bezogen sein – 80 Bewohnerzimmer und 6 Kurzzeit-Betreuungszimmer. Offizielle Eröffnung ist am 12. Juni um 16 Uhr.
St. Bernhard, Engelhartszell
Im Neubau gibt es 51 Plätze in psychosozialen Langzeitwohngruppen und 30 im Seniorenwohnhaus. Etwa 45 Menschen mit unterschiedlichem Betreuungsbedarf leben im Moserhof, Waldkirchen, Pamingerhof, St. Ägidi, und im freien betreuten Wohnen. Eröffnung ist am 15. Juni um 9.45 Uhr.