P. Gregotsch: Menschen noch stärker in die geistlichen Zentren einlade
Klöster: Garantie für die Zukunft christlichen Lebens
Ausgabe: 2002/25
18.06.2002
- Walter Achleitner
P. Leonhard Gregotsch hat für die Zukunft der Orden in Österreich wesentliche Weichen gestellt. 23 Jahre war er Generalsekretär der Superiorenkonferenz. Diese Woche nimmt der Kamillianerpater Abschied von diesem Amt.
P. Gregotsch, Sie kommen aus einem Orden, der sich der Pflege Kranker widmet. Mit welcher Klinikabteilung lässt sich Ihre Zeit in der Superiorenkonferenz vergleichen? War es mehr die Interne, die Intensivstation oder die Geriatrie?Gregotsch: Es war eher wie in der Notaufnahme. Aber der Vergleich mit dem Krankenhaus ist weniger gut. Denn eigentlich ist es, um beim Bild zu bleiben, um Gesundheitspolitik gegangen. Eine meiner wichtigsten Aufgaben war es, in der sehr reichhaltigen Vielfalt von 80 Männerorden und Stiften die Interessen zu bündeln, um gegenüber der Bischofskonferenz oder den Ministerien gemeinsam auftreten zu können. Ganz sicher war ich nicht der Oberboss der Orden. Vielmehr ist es eine Servicestelle. Oft habe ich es als die Ordensgewerkschaft oder eine Klösterkammer bezeichnet. Nun, die einen sehen mich eben als Kammeramtsdirektor, die anderen als Gewerkschaftssekretär. Aber beides ist es nicht. Es ist die Interessenvertretung der Männerorden und ihrer 2500 Mitglieder.
Zuletzt sind neue Orden nach Österreich gekommen. Sorgen diese für frischen Wind in der Superiorenkonferenz?
Gregotsch: Sie sind alle Mitglieder, und die meisten kommen auch zu den Treffen. Aber die neuen Gemeinschaften sind eigentlich sehr reserviert den bestehenden gegenüber.
Sie haben wesentlich mitgeprägt, dass heute Laien Ordensspitäler führen. Wie ist das gelungen?
Gregotsch: Dazu beigetragen haben Initiativen zur Aus- und Weiterbildung der Laien, die heute in Ordensspitälern nicht nur in leitenden Aufgaben tätig sind. Das gilt auch für Ärzte und die Mitarbeiter im Pflegebereich. 1983 haben wir bereits den ersten Kurs für Krankenhausmanagement gestartet. Und 1992 wurde das Institut für Bildung im Gesundheitswesen gegründet, das für Mitarbeiter in katholischen und evangelischen Krankenhäusern Kurse anbietet. Damit soll sichergestellt werden, dass in allen Krankenhausbereichen nicht nur vom Evangelium und der Ethik geredet wird, sondern beides konkret praktiziert wird.
Die Kirche misst katholischen Privatschulen immer großen Wert bei. Geht es jedoch um konkrete, vor allem finanzielle Probleme, dann werden sie vielfach alleine gelassen. Hat sich dieses Verhältnis geändert?
Gregotsch: Im Lauf der Jahre haben sich diese Beziehungen wesentlich verändert. Dieses Alleingelassensein hat sich in eine zunehmende Sensibilität für die Probleme der Orden gewandelt. Dabei hat auch Rom stark darauf gedrängt, die katholischen Privatschulen nicht durch leichtfertiges Schließen einfach ihrem Schicksal zu überlassen. Stattdessen sollen qualifizierte Laien in die Führung und Leitung katholischer Privatschulen hereingenommen werden, wenn Schwestern oder Brüder weniger werden. Das hat dazu geführt, dass auch die Bischöfe sensibler für unsere Probleme geworden sind.
Ordensschulen auffangen
Wesentlich war auch meine Initiative zur Gründung der „Vereinigung von Ordensschulen“. Wenn diese vom Orden selber nicht mehr weitergeführt werden können, dann kann dieser Verein sie übernehmen. Heute trägt dieser zwölf Schulen von fünf Orden. Werden sie so geführt, dass sie wirtschaftlich positiv bilanzieren, dann können ausschließlich Laien sie auch weiterführen. Die Zeit katholischer Privatschulen ist also noch längst nicht vorbei.
Wie können die Orden noch mehr in die Zukunft dieser Werke investieren?
Gregotsch: Durch die Pastoral im Schul- wie im Krankenhausbereich. Damit diese Einrichtungen, die von Laien sehr engagiert geführt werden, das Niveau halten können, brauchen sie eine wesentliche pastorale Unterstützung. Klöster und Stifte werden neu als geistliche Zentren entdeckt. Wo liegen hier die Herausforderungen für die Orden?Gregotsch: Das gemeinsame Vorgehen der Orden ist deshalb wichtig, weil sie sich als Garanten einer christlichen Gemeinschaft und einer Kirche in Österreich darstellen. Denn die einzelnen Klöster und Stifte haben eine Ausstrahlung als geistliche Zentren. Um sie herum nehmen zunehmend Laien teil an dieser klösterlichen Gemeinschaft. Das heißt, sie sind auch Garantie für die Zukunft nicht nur der Kirche, sondern überhaupt des geistlichen und christlichen Lebens. Das ist mein großes Anliegen, dass wir noch stärker Laien mit hereinnehmen. Dass es gelingt, sie für diese Form zu begeistern, sie entsprechend mitzuprägen und zu begleiten. Dafür gibt es gute Beispiele, wo man die Ausstrahlung solcher Gemeinschaften sieht.
Zur Person
P. Leonhard Gregotsch ist am 23. September 1933 im westungarischen St. Johann zur Welt gekommen. 1957 zum Priester geweiht, war der Kamillianer unter anderem auch als Professor und Direktor am ordenseigenen Privatgymnasium im oberösterreichischen Losensteinleiten tätig. Von 1972 an in der Superiorenkonferenz tätig und seit 1979 deren Generalsekretär, hat P. Gregotsch die Einrichtung zu einer umfassenden Servicestelle für die Männerorden ausgebaut. Auf ihn geht auch die Initiative zum jährlichen Ordenstag zurück. 1980 war er Mitbegründer des Netzwerkes europäischer Ordensoberer UCESM. An der Synode über das Ordensleben 1994 hat P. Gregotsch als Berater von Bischof Maximilian Aichern teilgenommen, der in der Österrei-chischen Bischofskonferenz für Ordensfragen zuständig ist.