Die Familienpastoral, die europäische Einigung und die Reform der EU sowie die angekündigte „Weihe“ von Frauen beschäftigten die Sommerkonferenz der Bischöfe. Die Ehevorbereitung, die seelsorgliche Begleitung von Ehepaaren und Familien, die Elternbildung und die Ehe- und Familienberatung waren ein Schwerpunkt der Beratungen der Österreichischen Bischofskonferenz in der vergangenen Woche in Mariazell. Ein glückliches Ehe- und Familienleben sei nach wie vor einer der höchsten Werte der meisten Menschen in Österreich. Dennoch gebe es offenbar eine große Angst vor dauerhaften Bindungen, wie das Abnehmen von kirchlichen und zivilen Trauungen zeige. Für die Kirche stelle sich daher die Frage, was zu tun sei, damit junge Menschen den Weg zu einer festen Entscheidung füreinander und zu einer christlichen Ehe finden, betonte der Familienrefent der Bischofskonferenz, Bischof Klaus Küng. Und es gehe darum, wie den Familien geholfen werden kann, damit sie ihre Aufgabe als Schule des Lebens, der Liebe und des Glaubens erfüllen können. Schließlich sei es auch Aufgabe der Kirche, Menschen in Beziehungskrisen und im Scheitern beizustehen. Für all diese Fragen gebe es keine „pastorale Zauberformel“, meinte Bischof Küng. Aber auch hier gelte, dass „Christus der Weg ist“. Menschen, die auch in ihrem Ehe- und Familienleben ihn hören, hätten allen Grund, zuversichtlich zu sein, „auch wenn es nicht immer leicht ist.“
Familiengerechte Kirche
Kardinal Schönborn kündigte an, dass die Bischöfe beabsichtigen, ein „Grundprogramm“ für die Ehevorbereitung zu erarbeiten. Darin soll Ehe als „Lebensprozess“ verständlich gemacht werden. Auch über eine Ausweitung der Dauer der Ehevorbereitung und über die Entwicklung neuer Formen der geistlichen Begleitung von Paaren werde nachgedacht. Ausdrücklich gewürdigt hat Kardinal Schönborn die Leistung der kirchlichen Beratung. Ein Drittel aller öffentlich mitfinanzierten Ehe-, Familien- und Lebensberatungseinrichtungen befinden sich in kirchlicher Trägerschaft. Die Bischöfe seien sich erneut bewusst geworden, dass alle kirchlichen Bemühungen unter der Devise einer „familiengerechten Kirche“ zu stehen haben.
„Weihe“ von Frauen
In der Frage der sogenannten „Priesterweihe von Frauen“, die für den 29. Juni geplant ist, erklärten die Bischöfe, dass „eine solche vorgetäuschte Weihehandlung ungültig ist“, da gemäß der Lehre der katholischen Kirche „das Sakrament der Priesterweihe nur Männern erteilt werden kann“. Ausdrücklich schloss sich die Bischofskonferenz dem Hirtenwort von Bischof Maximilian Aichern vom 16. Juni an. Darin erklärt der Linzer Diözesanbischof, dass er die Betroffenen wiederholt darauf aufmerksam gemacht habe, „dass die von ihnen beabsichtigten Schritte einen grundsätzlichen Bruch mit der Kirche bedeuten und aus der Einheit der römisch-katholischen Kirche hinausführen“. Eine trotzdem vorgenommene „Weihesimulation“ sei nicht nur ungültig, sie führe möglicherweise auch andere Gläubige in die Abspaltung, appellierte Aichern an die Initiatoren/-innen, von ihren Plänen abzurücken.
EU und Kirchen
Zur Sache
Die EU-Erweiterung, die von den meisten österreichischen Bischöfen nachdrücklich unterstützt wird, nahm die Bischofskonferenz zum Anlass, um auf den Beitrag der kulturellen Kräfte und Religionsgemeinschaften für ein geeintes Europa hinzuweisen. Beim Wunsch der Kirchen, auf dem „Bauplatz Europa“ mitzuarbeiten, gehe es nicht um Machtansprüche, sondern um eine kreative und kritische Begleitung des Geschehens. Das neue Europa bedürfe nämlich nicht nur gemeinsamer wirtschaftlicher, politischer und militärischer Strukturen. Im Zusammenhang mit den derzeit laufenden Diskussionen um eine europäische Verfassung (Reform-Konvent) fordern die Bischöfe die Anerkennung des Rechts der Kirchen und Religionsgemeinschaften, „sich auf Grund ihrer inneren Ordnung zu organisieren und ihre Aufgaben frei und ungehindert zu erfüllen“. Außerdem wird die EU zu einem dauerhaften und partnerschaftlichen Dialog mit den Kirchen und Religionsgemeinschaften aufgefordert. Dazu soll in Brüssel eine eigene Anlaufstelle eingerichtet werden. Außerdem schlagen die Bischöfe vor, dass – ähnlich wie in Österreich – vor wichtigen EU-Gesetzen ein Begutachtungsverfahren stattfindet, bei dem auch die Kirchen ihre Position einbringen können. Im Zeichen der „Brückenfunktion Österreichs im Herzen Europas“ soll der Mitteleuropäische Katholikentag 2003/2004 stehen. Der Katholikentag werde derzeit von den Bischofskonferenzen von Polen, Kroatien, Bosnien, Slowenien, Ungarn, Tschechien, der Slowakei und Österreich vorbereitet. In Österreich wurde dazu ein Arbeitskreis eingerichtet, in dem auch die Laienorganisationen und Orden vertreten sind. Auftakt ist ein Hirtenwort am 31. Mai.
Kein Verlass mehr
Kommentar
Sie arbeiten ein halbes Jahr und bekommen den vereinbarten Lohn nicht ausbezahlt. Wenn Sie nicht zu den Betuchten gehören, gehen dabei Ihre Ersparnisse drauf – und vielleicht müssen Sie sich sogar einen Kredit aufnehmen, der zustätzliche Kosten verursacht. Eine unhaltbare Situation. Genau in dieser Lage steckt derzeit die größte Organisation der österreichischen Entwicklungszusammenarbeit: Horizont 3000 hat mit dem Außenministerium letztes Jahr einen Rahmenvertrag für drei Jahre abgeschlossen. Der Freude, dadurch eine gewisse Planungssicherheit für die Zukunft zu haben, wich bald die Ernüchterung. Das Finanzministerium hat für das laufende Jahr noch keinen Cent überwiesen. Die gute Eigenfinanzierungsbasis durch die kirchlichen Trägerorganisationen von fast 30 Prozent ist längst überfordert. Auf der Strecke bleiben die Projektpartner in den armen Ländern und der Ruf von Horizont 3000. So wird jede solidarische Privatinitiative umgebracht.