Die abnehmende Zahl der Priester betrifft die im Amt befindlichen Priester selbst. Priesterrats-Sprecher Walter Wimmer tritt für einen Dialog über das Priesteramt ein.
„Ich schicke voraus, dass ich sehr gerne Priester bin. Es ist ein anspruchsvoller, aber sehr ansprechender Beruf, der mit der Buntheit des Lebens und mit der Tiefe des Lebens zu tun hat.“ Dr. Walter Wimmer, früher Spiritual am Priesterseminar, ist seit 18 Jahren Pfarrer in Linz-St. Konrad. Seit 14 Jahren ist er Sprecher des Priesterrates der Diözese Linz.
Der Priestermangel macht den 58-jährigen Pfarrer mit Leib und Seele betroffen. Trotz aller Hoffnung, die man als Christ haben darf – von den Zahlen her sei Optimismus kaum angebracht.
Wimmer fürchtet eine Art „Südamerikanisierung“. Priester werden dann für immer mehr Pfarren zuständig, sie drohen dabei aber ihre Verwurzelung im Volk zu verlieren.
In der Krise des priesterlichen Dienstes müsse die Kirche die Zeichen der Zeit erkennen: Was will Gott uns damit sagen?
Für Walter Wimmer liegt diese Herausforderungen vor allem in zwei Punkten: Die Aufwertung der Frauen in der Kirche sei von der Bibel her zutiefst verlangt. Und ebenso müsse die Sexualität vom Schöpfungsauftrag Gottes her positiv gesehen werden. Die gesellschaftliche Tatsache der geringen Kinderzahlen insgesamt enge die Zahl möglicher Priesterberufe noch zusätzlich ein.
Die Kirche erlebt – so sieht es der Priesterrats-Sprecher – die „Geburtsschmerzen eines neuen priesterlichen Amtes“.
Diese Zeichen, meint Wimmer, würden durchaus auch vom Volk Gottes in dieser Weise gespürt.
Ein spannungsvoller, auch mühseliger Dialog sei nun notwendig, der allerdings innerhalb der Kirche geschehen muss.
„Die Bischöfe wollen die Wahrheit nicht in ihrer ganzen Breite sehen“, meint Wimmer. „Es hilft uns nichts, wenn in der Dritten Welt die Anzahl der Berufungen steigt – da gibt es viele andere Gründe.“v Trotzdem hofft der Priestersprecher auf eine Vernetzung der Bischöfe, die die Zeichen der Zeit erkennen und das Anliegen in der Kirche zum Tragen bringen sollten. So hofft Walter Wimmer, dass auch der Dialog mit Rom wieder neu möglich sein wird. Konkret: Über die Themen Diakonat und Priesteramt für Frauen und Zölibat muss man in der Kirche reden dürfen.
Kirche darf Sakramente nicht gefährden
Schließlich seien die Sakramente der Kirche wichtiger als der Zölibat. Auch wenn Laien in der Kirche viele Aufgaben übernehmen könnten, so dürfe doch die „sakramentale Struktur der Kirche“ nicht gefährdet werden.Ein priesterliches Dienstamt unabhängig von Geschlecht und Lebensform hält Walter Wimmer für sinnvoll, wenngleich er bedauern würde, wenn es die ehelose Lebensform „um des Evangeliums willen“ nicht mehr gäbe.
Der Großteil der derzeitigen Priester, schätzt der Priesterrats-Sprecher die Situation ein, wäre in ihrer Berufsausübung durchaus zufrieden, sie sähen aber die Zukunft mit Sorge.
Jungen Menschen, die sich der Frage des Priesterberufes stellen, spricht Wimmer Mut zu: „Wenn sie ganzheitlich gesunde Menschen sind, psychisch stark und beziehungsfähig, dann würde ich auch heute dazu raten. Es ist ein erfüllender Beruf, wie sonst selten einer.“