18 Weltpriester-Weihen im laufenden Jahr für ganz Österreich. Diese Statistik gibt zu denken. Besonders dem Regens des Linzer Priesterseminars Maximilian Mittendorfer.
In der Diözese Linz gibt es heuer keine Weltpriester-Weihe. 14 Männer gehörten im letzten Jahr dem Linzer Priesterseminar an. Nur sechs der 14 Männer, die zur Zeit den Ausbildungsweg zum Priesterberuf gehen, lebten im Linzer Priesterseminar. Mit Gästen aus Orden und aus ausländischen Diözesen waren es 14 Personen, die im Seminar gewohnt haben.
Wohngemeinschaften statt Priesterseminar?
Eine Arbeitsgruppe überdenkt im Auftrag des Bischofs einen neuen Ausbildungsweg. Regens Mag. Maximilian Mittendorfer ist sehr froh um diese Neuüberlegungen. Er favorisiert mit der Arbeitsgruppe ein Modell, bei dem die Seminaristen in Wohngemeinschaften nahe der Theologischen Fakulät leben oder in Linzer Pfarren. Dort könnten sie während des Studiums auch seelsorgliche Praxis sammeln. Neben dem Studium würden sie von einem verantwortlichen Regens und Spiritual begleitet. Regelmäßig würden sie sich zum Erfahrungsaustausch sowie zu spirituellen und persönlichkeitsbildenden Kursen treffen. Die Erzdiözese Wien geht einen ähnlichen Weg.
Von einer anderen Möglichkeit, nämlich Priesterseminare mehrerer Diözesen zusammen zu legen, will man in Linz eher nicht Gebrauch machen.Dass die Priesterausbildung jetzt auf neue Füße gestellt werden soll, motiviert auch die Seminaristen, erzählt Mag. Mittendorfer. Die bisherigen Ausbildungswege und Seminare waren einfach auf größere Zahlen in einem Priesterseminar ausgelegt.
Die geringen Zahlen beim Priesternachwuchs haben für Regens Mittendorfer mit der gesamtkirchlichen Entwicklung zu tun. Bei vielen wäre der Eindruck entstanden: Eigentlich kommen wir auch ohne Priester aus. Es gibt andere Berufe in der Seelsorge. Das Konzil hat die Verantwortung für die Kirchen den Christen insgesamt zugeschrieben.
Trotzdem braucht es – so Mittendorfer – das priesterliche Amt, das für die „gesunde Lehre“, für die Einheit der Gemeinden und für die Verbindung der Gemeinden untereinander Sorge trägt – und das auch für die sakramentale Rückbindung an Christus steht. Die Weihezahlen werden auch in den kommenden Jahren niedrig sein. Im ersten zweijährigen Studienabschnitt gibt es zur Zeit nur einen einzigen Studierenden. Für den Regens ist es deshalb „ganz klar, dass es eine größere Vielfalt von Zugängen zum Pries-terberuf geben soll“, auch wenn er zugleich „eine Lanze für den zölibatären Priester brechen“ möchte – als eine Form neben anderen. Es ist ein herausfordernder und attraktiver Beruf, meint Mittendorfer. Es erstaunt ihn, dass für einen so interesanten Beruf zur Zeit so wenig Interesse da ist. Grundlage wäre freilich, die Berufung zum Christsein zu erkennen und anzunehmen.