In einem in den katholischen Pfarren verlesenen Bischofswort hat Bischof Maximilian Aichern letzten Sonntag appelliert, vom Vorhaben einer Frauenpriesterweihe Abstand zu nehmen.
Knapp, aber deutlich machte Diözesanbischof Maximilian Aichern letzten Sonntag aufmerksam: Eine „Weihesimulation an Frauen“ ist ungültig. Liturgische Handlungen durch die betreffenden Personen wären nicht gestattet. Dabei sprach Bischof Aichern die Initiatorinnen und Initiatoren der für 29. Juni 2002 an einem unbekannten Ort stattfindenden „Frauenpriesterweihe“ direkt an. Sie sollten die Einheit der Kirche nicht zerstören.
Da der Fall keineswegs nur die Diözese Linz betrifft, beschäftigen sich die derzeit in Mariazell tagenden österreichischen Bischöfe mit der Thematik. Eine Stellungnahme wird für Donnerstag dieser Woche erwartet. Christine Mayr-Lumetzberger, Organisatorin der geplanten „Priesterinnen-Weihe“ äußert zwar „Respekt“ vor dem Bischofswort, will aber vom Vorhaben nicht abgehen.
Frauenkommission für Weg der kleinen Schritte
Auch die Frauenkommission bezeichnet in einer vergangene Woche ausgesandten Stellungnahme die „Priesterinnen-Weihe“ als unerlaubt und kirchenrechtlich ungültig. „Wer sich mit seinen Handlungen aus der Institution hinausbegibt, findet sich außerhalb der Institution wieder“, heißt es in der Erklärung.
Allerdings: Die Debatte auf die kirchenrechtlichen Fragen zu beschränken wäre ein Fehler, meint die Frauenkommission. Das kirchliche Amtsverständnis müsste im Sinne des Evangeliums weiterentwickelt werden. Die Berufung von Frauen zum pastoralen Dienst würde von den Gemeinden anerkannt und positiv gesehen, heißt es in der Erklärung. Die Diskrepanz zwischen einer behaupteten Gleichwertigkeit von Frauen und Männern und der Ungleichwertigkeit im Zugang zu den Weiheämtern verletze immer wieder Menschen, die sich in der Kirche engagieren – und schade zuletzt auch der Kirche. Die Frauenkommission spricht sich für ein Öffnen der Weiheämter für Frauen aus. Das solle aber auf einem „Weg der kleinen Schritte“ im Dialog mit der Kirchenleitung geschehen.
Matthäus Fellinger
Das Bischofswort
Seit mehreren Wochen gibt es Berichte über eine bevorstehende so genannte „Priesterweihe von Frauen“. Durch Pressemeldungen, wonach im Zusammenhang damit zudem eine sehr fragwürdige Bischofsweihe stattgefunden haben soll, wurde die Situation noch verworrener. Deshalb sehe ich mich als Diözesanbischof veranlasst, auch auf dem Weg eines Bischofswortes einige Klarstellungen zu treffen.
Wiederholt habe ich Betroffene darauf aufmerksam gemacht, dass die von ihnen beabsichtigten Schritte einen grundsätzlichen Bruch mit der Kirche bedeuten und aus der Einheit der römisch-katholischen Kirche hinausführen. Mehrmals habe ich klargestellt, dass nach katholischer Lehre und Disziplin eine Priesterweihe gültig nur Männern gespendet werden kann.
Eine trotzdem vorgenommene Weihesimulation an Frauen ist daher nicht nur ungültig, sondern im erklärten Widerspruch mit der Kirche, ja sie vermag möglicherweise auch andere Gläubige in diese Abspaltung von der kirchlichen Gemeinschaft mit hineinzuziehen. Es kann daher auch keinerlei liturgische Handlung durch diese Personen gestattet werden.
Ausdrücklich wende ich mich in diesem offenen Wort nochmals an die Initiatorinnen und Initiatoren der genannten Aktion, dass sie sich die vielfachen Auswirkungen bewusst machen, und appelliere aus bischöflicher Sorge an sie, von ihrem Vorhaben Abstand zu nehmen, damit die Einheit der Kirche nicht zerstört wird.
Maximilian Aichern, Bischof von Linz
ZUR SACHE
Kontroverse um Frauenliturgie
Betroffen darüber, dass Verleumdungen so viel Gehör geschenkt wird, äußerten sich die Organisatorinnen der „Frauenliturgie“ im Linzer Dom vom 29./30. Mai. Das haben sie in einem offenen Brief an die Österreichische Bischofskonferenz sowie an den Päpstlichen Nuntius in Österreich, DDr. Donato Squicciarini, zum Ausdruck gebracht. „Es war von uns nie geplant, dass bei der Feier priesterliche Handlungen vollzogen werden, die Frauen verboten sind“, heißt es im Brief. Es wäre Liturgie gefeiert worden, wie sie im Zuge einer weltweiten religiösen Frauenbewegung seit zwei Jahrzehnten in allen Teilen der Welt von Frauen gefeiert werde. Die vermutlich erste Frauenliturgie in einem Dom wäre weltweit ein historisches Ereignis gewesen. Die Veranstalterinnen bedauern, dass kritisch denkende Frauen in der Kirche „nicht als Bereicherung, sondern als Bedrohung erlebt“ würden.
Doris Gabriel vom „kardinal-könig-haus“ in Wien und Maria Eichler vom Österreichischen Frauenforum Feministische Theologie berichteten auch von massiven Stör- und Einschüchterungsversuchen durch Martin Humer und durch die Herausgeber der Zeitschrift „der 13.“ während der Veranstaltung selbst.